und dieser Gedanke läßt uns unsere Lage noch zu schön erscheinen. Die Stimmung der Reservisten ist vortrefflich.

Sonntag, den 16. August.

Heute Spaziergang auf dem Ufer der Marne. Liebliches Wetter nach etwas Regen. Gar angenehmes Zwischenspiel in diesen unruhigen Zeiten. Wir sind immer noch ohne Nachrichten wie Ihr auch, und haben zum Glück einen stattlichen Vorrat an Geduld. Ich hatte einiges Vergnügen daran, die Landschaft zu genießen, trotz der blauen und roten einbrechenden Flut, übrigens machten diese blauen und roten Leute den besten seelischen Eindruck. Unsere Ersatzmannschaft wird starke Einbußen erleiden und nimmt das mit Ruhe auf.

Den 19. August (aus einem Tagebuch).

Die Eintönigkeit des Soldatenlebens stumpft mich ab, aber ich beklage mich nicht.

Nach neun Jahren finde ich dieselben Menschentypen wieder, etwas abgeblaßt, gebessert, ausgeglichen, und besonders auf den großen Gedanken hin gerichtet, den die Nachrichten aus dem Osten dem Geiste vergegenwärtigen. Die gewöhnliche Stubenkameradschaft weicht einem würdigeren Gefühl der Zusammengehörigkeit und einem löblichen Streben, sich einander anzupassen. Einer der Vorzüge unserer gegenwärtigen Lage ist das Gefühl, daß man Soldat spielen kann in dem Bewußtsein,

seine Zeit nicht zu vergeuden. Diese Summe von kindlichen und wenig anstrengenden Beschäftigungen, die alle einen unmittelbaren Nutzen und Erfolg haben, stellt das geistige Gleichgewicht wieder her und beruhigt die Nerven. Dazu kommt noch der mächtige Deich, der alle diese Männer in Schranken hält, ein tiefes und unbestimmtes Gefühl der Brüderlichkeit, das alle Herzen denen zuwendet, die kämpfen. Jeder fühlt, daß die kleine Unbequemlichkeit, die man zu ertragen hat, nur ein schwaches Opfer ist im Vergleich zu dem entsetzlichen Aufwand von allen Kräften und aller Hingabe, die der Grenze zustreben.

Den 25. August.

Dieser Brief wird um wenige Augenblicke unserm Abmarsch vorausgehen. Der furchtbare Zusammenstoß erfordert unsere Gegenwart bei denen, die bereits im Kampfe stehen. Ich verlasse Euch, Großmutter und Dich, in der Hoffnung Euch wiederzusehen und in der Zuversicht, daß Ihr alles gutheißen werdet, was mir als meine Pflicht erscheinen wird.

Nichts ist verloren und besonders nichts hat die Einsicht in unsere Bestimmung erschüttert. Sage denen, die mich ein wenig lieben, daß ich an sie denke. Ich habe keine Zeit jemandem zu schreiben. Meine Gesundheit ist vortrefflich.