. . . Nach einer solchen Erschütterung kann man
sagen, daß unser vergangenes Leben abgestorben ist. Laß uns also, liebe Mutter, unsere ganze Kraft daran setzen, uns einem vollständig verschiedenem Leben anzupassen, Du und ich, wie lange es auch dauern mag.
Sei überzeugt, daß ich keine Gelegenheit aufsuchen werde, die unser Glück aufs Spiel setzen könnte, daß ich mich aber bemühen werde, meinem Gewissen und dem Deinen genug zu tun. Bis jetzt habe ich mir nichts vorzuwerfen, und ich habe den Willen auszuharren.
Den 25. August (zweiter Brief).
Zweiter Brief um Dir mitzuteilen, daß statt des unsrigen Pierres Regiment fortzieht. Ich hatte die Freude ihn vor mir vorbeimarschieren zu sehen, als ich in der Stadt auf Wache war. Ich habe ihn etwa hundert Meter weit begleitet. Dann haben wir uns Lebewohl gesagt. Ich hatte den Eindruck, daß wir uns wieder sehen würden.
Die Stunde ist außerordentlich ernst; das Land wird nicht untergehen; aber seine Befreiung wird um den Preis von furchtbaren Anstrengungen errungen werden. Das Regiment von Pierre ist mit Blumen bedeckt und singend ausgezogen. Es war für uns ein inniger Trost, daß wir bis zuletzt zusammen sein konnten.
Es ist schön von André,[3)] daß er seinen Kameraden
vom Ertrinken gerettet hat. Man kennt nicht die Schätze an Heldenmut, die Frankreich und die intellektuelle Jugend von Paris in sich bergen.
Was unsere Verluste betrifft, so kann ich dir sagen, daß ganze Divisionen vernichtet worden sind. Gewisse Regimenter haben keinen Offizier mehr. Wie ich empfinde und was ich für meine Pflicht halte, darüber wird dich mein erster Brief vielleicht besser unterrichten. Wisse, daß es eine Schande wäre auch nur einen Augenblick an die eigene Rettung zu denken, wenn die Rasse unsere volle Hingabe verlangt. Meine einzige Pflicht ist ein aufrechtes Gewissen soweit zu tragen, als meine Beine es zu führen vermögen.
Den 26. August.