Teuerste Mutter!
Ich habe mich sehr über einen schönen Artikel von Barrès gefreut, „Der Adler und die Nachtigall,“ der Punkt für Punkt mit dem zusammenstimmt, was ich empfinde.[4)] Die Ersatzmannschaften enthalten
viel Abfall, aber auch kraftvolle Elemente, zu denen ich mich noch nicht zu zählen wage; aber ich hoffe sehr, daß ich mit diesen ausziehen werde. Der Stabsarzt hatte mich vom Tornistertragen entbunden, aber ich trage ihn doch, um mich zu trainieren, und halte es gut aus.
Die einzige Versicherung, die ich dir geben kann, betrifft mein körperliches und seelisches Befinden, das vorzüglich ist. Der wahre Tod wäre in einem besiegten Lande leben zu müssen; für mich besonders, dessen Kunst dann vernichtet wäre.
Ich suche die Einsamkeit auf, so oft ich es vermag, und in geistiger Hinsicht bin ich wirklich unberührt. Übrigens ist der seelische Stand der Mannschaft viel höher als in gewöhnlichen Zeiten; das Unangenehme ist, daß die ewigen Wechsel und Versetzungen uns von Quartier zu Quartier herumschleppen, und daß das Vertrauen, welches im Erwachen war, vor den stets erneuerten uns bekannten Gesichtern stockt.
Den 30. August.
Liebes Mütterchen, wenn wir auch nicht schon gestern fortgezogen sind, sicher ist, daß es sich jetzt nur noch um Stunden handeln kann. Ich will Dir nichts schreiben von dem, was ich dir schon sagte; genug für mich, daß du mir zustimmst, wie ich dessen sicher war. . . .
Je näher die Entscheidung heranrückt, um so mehr verfliegt alle Schlaffheit. Bei dem gestrigen
sehr anstrengenden Marsch ist ein einziger abgefallen und der war wirklich krank. Frankreich wird aus dieser schlimmen Lage herauskommen.
Ich kann dir nur wiederholen, wie sehr ich auf jede Wendung der Dinge gefaßt bin, und daß nichts unsere siebenundzwanzig glücklichen Jahre streichen kann. Ich bin entschlossen, mich nicht als ein vorbestimmtes Opfer anzusehen und ich fasse das Glück der Heimkehr ins Auge, bin aber bereit bis zum äußersten meiner Kräfte zu gehen. Wenn du ahnen könntest, welche Scham ich empfinden würde bei dem Gedanken, daß ich etwas mehr hätte leisten können.