Den 22. Januar.
. . . Ich habe Dir einige Verse geschickt; ich weiß nicht was sie wert sind, sie haben mich mit dem Leben versöhnt. Dann war unser letztes Quartier auch wirklich wundervoll reich an Gaben der Schönheit, über Gestein fließendes Gewässer . . . Weite und klare Wasserspiegel in Parkhintergründen, stehende Teiche, träumerische Alleen; das vermag
die rohe Gewalt nicht zu entweihen, heute Sonnenschein auf dem Schnee. Die Schönheit des Schnees war tief erschütternd, wir hatten aber auch häßliche Tage gehabt; Tage, wo man nichts als unerfreulichen Schlamm sieht.
Es scheint, daß wir nicht in unser hübsches Quartier zurückkehren werden. Offenbar ist etwas in Vorbereitung; denn der regelmäßige Verlauf unseres Winterlebens hat ein Ende genommen.
2 Uhr nachmittags.
Herrliches Wetter, Vorbote des Lenzes; wir können es ausnutzen, da unser jetziger Standort erlaubt, die Nase herauszustecken.
Ich kann Dir heute nur schlecht schreiben, Dir nur den Ausdruck meiner Liebe schicken. Dieser Krieg ist lang und ich kann nicht einmal von Geduld sprechen. Meine einzige Freude ist, daß ich Dir oft, während fünf ein halb Monaten, sagen konnte, daß nicht alles häßlich war.
Den 23. Januar.
. . . Ich für mein Teil habe keine Wünsche mehr. Wenn die Prüfungen wirklich hart werden, begnüge ich mich damit, recht unglücklich zu sein, ohne etwas anderes ins Auge zu fassen.