Habe ich Dir gesagt, daß ich durch die Zeitungen den Tod von Hillemacher[20)] erfahren habe.

Dieser liebenswürdige Kamerad ist im Verlauf dieses schrecklichen Krieges gefallen.

Den 1. Februar.

Teuerste Mutter, ich habe Deine lieben Briefe vom 26. und 27. erhalten: sie geben mir neues Leben, wahrhaftig. Bis jetzt ist unsere Stellung erster Linie — diesmal in einem Dorfe — durch eine völlige Ruhe begünstigt worden, und ich habe wieder die beglückenden Stunden gekannt, wo die Natur mich tröstete. Meine Stellung hat das Besondere, daß die Dienstarbeiten, die ich verrichte, jetzt durch die Gefühle der Verpflichtung dem Ganzen gegenüber nicht mehr durch die gefühllose Bestimmung der Dienstordnung befohlen sind.

Den 2. Februar.

Liebe Mutter, ich schreibe an diesem Briefe im Quartier weiter, während die außerordentliche Inanspruchnahme durch die sich häufenden Dienstarbeiten die leeren Stunden füllt, welche die Schwermut trüben möchte. Ich komme in die dunkeln Tage, wo das Nichts das letzte Ende aller Dinge zu sein scheint, während alles in meinem Leben die reiche Fülle des Weltalls mir bezeugte. Die Hingabe nicht an Einzelne, sondern an das gesellschaftliche Ideal brüderlicher Zusammengehörigkeit, die ist es, die mich noch aufrecht hält. Ach, welch herrliches Vorbild geben uns Christus und die Armen! Dieser Gerechte, ein Aristokrat, hat durch

den herben Ernst seiner Lebensaufgabe das Grenzenlose der Pflicht der Nächstenliebe bewiesen und vor allem gelehrt, daß man dafür keinen Dank verlangen soll . . . Ich verdanke meinem Verkehr mit den Dingen und den Menschen die Beruhigung, daß ich nichts vom Nächsten erwarte. So nimmt die Pflicht eine abstrakte, von menschlichen Rücksichten befreite Form an, die das Gräßliche dieser Lage verhüllt.

Heute ein unerhört schöner Sonnenaufgang! Wieder ein Frühling, der naht . . . Ich will Dir unsere drei Tage in der Feuerlinie erzählen.

Schnee und Frost. Wir sind die Abhänge herunter, die zu unserer Stellung im Dorfe führen. In diesem Augenblicke war die Nacht so schön, daß die Soldaten davon gerührt waren. Ich werde Dir nie die feinen und doch bestimmten Linien dieser Landschaft schildern können. Wie ließe sich diese zarte, wie mit dem Grabstichel ausgeführte Zeichnung deutlich machen, die sich mit den traumhaften Nebeln verbindet, über denen der Mond schwebt? Während drei Tagen führte mich mein Nachtdienst in diese keusche Schönheit, in diese Weiße hinein.

Dunkle Verästelung der Bäume, zart wie Goldschmiedearbeit. Und trotz der Einfarbigkeit, Halbtöne, rotbraune und blaue Halbtöne.