Es gibt Stunden von solcher Schönheit, daß der nicht sterben sollte, der sie umfängt.
Ich war weit vor den ersten Linien und niemals fühlte ich mich geschützter. Diesen Morgen, auf dem Rückweg, Sonnenaufgang, rosa und grün, auf dem rosa und blauen Schnee; freie Aussicht auf ein Mosaik von Wäldern und schneebedeckten Feldern; in der Ferne Hintergründe, in denen die Silbertöne der Maas ersterben. O Schönheit, allem zum Trotz!
Den 2. Februar.
Nach endlos traurigen Tagen, plötzliche und flüchtige Ausblicke philosophischen Gleichmutes. Pflicht, herbe, doch stärkende Trösterin. Unerhörte Schönheit mancher Landschaftsbilder.
Den 3. Februar.
Teure geliebte Mutter,
Soeben empfange ich im Quartier Deinen Brief vom 29. Namenloser Tag, ohne greifbare Gestalt, Tag, in dem trotzdem der Frühling geheimnisvoll zu quellen anfängt. Warme Luft in der Verlängerung der Tage; plötzliches Erschlaffen, wie ein Vergehen in der Natur. Ach! wie süß wäre dieser Schauer der Dinge losgelöst von diesem Sklavenleben; doch hier läßt die Erschlaffung, die gewöhnlich den Frühling begleitet, die Last nur schwerer empfinden. Liebe Mutter, wie glücklich bin ich, die Teilnahme aller in der Ferne zu verspüren. Ach! es gibt doch noch zarte Regungen.
Ich bin über die Zeitschriften entzückt, in denen
ich in einem herrlichen Artikel über Louis Veuillot[21)] diesen Satz mir merkte: „O mein Gott, nimm von mir die Verzweiflung und laß mir den Schmerz!“ Ja wir dürfen die fruchtbare Lehre des Schmerzes nicht verkennen und, wenn ich aus diesem Kriege zurückkomme, werde ich eine ohne Zweifel bereicherte und veredelte Seele zurückbringen.
So habe ich denn mit Freuden Vorträge über Moliere gelesen und in seinem Leben wie anderswo die Einsamkeit erkannt, in der die erhabenen Seelen umherirren. Aber ich verdanke meinen alten Herzenswunden, daß ich nie mehr durch die Schuld anderer leiden werde. Geliebte Mutter, morgen schreibe ich Dir besser.