Den 4. Februar.

Gestern abend, als ich in meine Scheune zurückkehrte. Trunkenheit, Streitereien, Geschrei, Singen und Geheul. So ist das Leben! . . . Heute morgen aber, da mir das Erwachen nur diese Erinnerung zuführte, bin ich vor der Zeit aufgestanden und habe meinen Freund den Mond wieder getroffen, die große Nacht, die verflog und die Morgenröte, die sich meiner erbarmte! Der gesegnete Frühlingstag vergoldet Alles und teilt seine Versprechungen und Hoffnungen aus. — Teuerste, ich denke über den Titel nach, den Tolstoi gewählt hat: Krieg und Frieden. Früher glaubte ich, er wolle den Gegensatz

zwischen diesen zwei Zuständen wachrufen; heute aber frage ich mich, ob er nicht diese zwei Gegensätze in dem Gefühl ihrer Nichtigkeit vereinigt hat, ob nicht die Menschheit, sei es im Krieg oder im Frieden, ihm in gleichem Maße zur Last war. Wir müssen freilich dem Bemühen gut zu sein treu bleiben; aber unwillkürlich fassen wir diese Mahnung ähnlich wie jene Maueranschläge auf: „Schonet die Tiere“. — Wie wird inmitten der täglichen Arbeit die Selbstprüfung hart!

Den 5. Februar.

Schlaflose Nacht. Abscheuliche Rückkehr in die Scheune. Derartiger Höllenlärm, daß die Gefreiten Klage führen mußten. Strafen.

Am Morgen, Marsch, und zur Erholung in dieser Nacht, Arbeit.

Teure, geliebte Mutter,

Den 6. Februar.

Nach der schlaflosen,[22)] vielmehr weinroten Nacht im Quartier mußten wir eine ganze Nacht Dienstarbeit leisten. Daher schlief ich bis zum Augenblick, wo ich Dir schreibe. Der Schlaf und die Nacht sind die zwei Zufluchtsstätten, wo das Leben noch einen Reiz bietet.

Liebe Mutter, ich durchlebe wieder die herrliche Legende von Sarpedon und diese köstliche Blüte