Um mich herum regt sich alles, wir übrigens auch. Je mehr das Unabweisbare eine Form annimmt, lebt die Ruhe wieder in mir auf. Meine teure Landschaft wird durch die scheußlichen Vorbereitungen geschändet: die Stille wird durch die einleitende Beschießung zerrissen; dem Menschen gelingt es, für einen Augenblick jede Schönheit zu verhüllen. Ich glaube, daß sie doch eine Zufluchtsstätte finden wird. Seit vierundzwanzig Stunden fasse ich mich allmählich wieder.
Teure Mutter, meine Sehnsucht nach meinem Elfenbeinturm ist strafbar; was man, nur zu oft, für einen Elfenbeinturm hält, ist ganz einfach der Käse der Ratte, die Einsiedler wurde.[24)]
Möchte doch eine bessere Einsicht mich dazu führen, daß ich die Wohltat der Erschütterung erkenne, die mich aus einer zu bequemen Freistätte herausgerissen hat, und danken wir dem Verhängnis, das während einiger seltenen aber unvergeßlichen Stunden aus mir einen Mann gemacht hat . . .
Nein, ich führe keine Klage wegen dieser toten Jugend. Sie hat mich über verschiedene Abhänge
zu den Höhen geführt, wo manchmal die Nebel der Erkenntnis zerreißen.
Den 16. Februar.
Ich habe soeben in den letzten Tagen Stunden erlebt, welche die großen, allgemeinen, jetzt sichtbarer gewordenen Fragen zu entscheidenden Schicksalsfragen für mich machten. Wir sind fünf Tage lang in der Feuerlinie gehalten worden und wurden in einen sehr harten, durch den fürchterlichen Schlamm noch erschwerten Dienst gezwungen. In dem Maße als der Aufenthalt dauerte und ich den Kampf gegen die schreckliche Traurigkeit meiner Seele fortsetzte, fühlten wir, wie die Lage sich verschärfte und die Vorbereitungen sich häuften.
Endlich teilte man uns mit, daß der Augenblick gekommen, das heißt, daß der Befehl zum Angriff gegeben sei. Wir hatten nur noch einen oder zwei Tage vor uns. Da habe ich Dir zwei Briefe geschrieben, den 13. und 14. glaube ich, und wirklich, während ich schrieb, fühlte ich in mir ein solches Vollgefühl, eine solche Seligkeit, daß sich daraus nur die Tatsächlichkeit des Guten und des Schönen folgern ließ. Die Beschießung unserer Stellung war äußerst heftig, aber nichts, was vom Menschen kommt, kann so oder anders jenes ersticken, was die Natur zur Seele spricht.
In der Nacht vom 14. zum 15. besetzten wir die Schützengräben, welche die Maschinengewehre bestrichen.
Die Erschöpfung der Mannschaften war derart, daß der Angriff von einem andern Bataillon ausgeführt werden sollte. Wir warteten also im nächtlichen Wasser und in der Kälte, als plötzlich die Nachricht sich verbreitete, daß wir abgelöst würden. Aus welchem Grunde? Ein Geheimnis. Kurz, da sind wir wieder in dem Dorfe, wo die Mannschaften ihr armes Herz im Wein ertränken. Arm bin ich wieder in diesem Haufen . . .