Liebe Mutter, wenn es etwas Unbedingtes in dem Gebiet des menschlichen Gefühls gibt, so ist es der Schmerz. Bis jetzt hatte ich nur in einer angenehmen Bedingtheit verschiedener Empfindungen gelebt, zwischen denen der Wert des Lebens, seine wesentliche Bedeutung verschwanden. Jetzt fühle ich, was das Leben ist. Es ist das Werkzeug, welches den Weg der Seele dem Unbedingten zu ausrodet. Aber ich habe weniger in dieser Zeit des Wartens gelitten als durch gewisse Berührungen.

Den 16. Februar, 9 Uhr abends.

Teuerste, geliebte Mutter,

Ich war bei Tisch, als man uns mitteilte, daß wir um Mitternacht aufbrechen sollten. Ich war gewiß, daß es so kommen würde und die Gegenbefehle, die den Angriff verzögert haben, hatten die Folge, uns einen Tagesmarsch von vierzig Kilometern machen zu lassen, der zu den Anstrengungen der Feuerlinie hinzukam. Als wir unsern Abschnitt

in der Kampflinie verließen, sah ich so viel Artillerie ankommen, daß ich wohl dachte, es gebe keine Ruhe mehr.

Hier aber erlangt man die Ruhe der Seele wieder. Man friert unter einem sternenhellen Himmel.

Den 19. Februar.
Postkarte, mitten in der Schlacht geschrieben.

Ein Wort nur. Wir sind in den Händen Gottes. Niemals, niemals haben wir mehr vertrauensvolle Weisheit gebraucht.

Der Tod wütet, aber er beherrscht uns nicht. Das Leben bleibt schön. Tote oder verwundete Freunde gestern und vorgestern. Teuerste, die Post wird wahrscheinlich große Verspätung haben . . .

Den 22. Februar.