Am nächsten Morgen vorwärts auf dem berühmten »Heilbronner Weg«. Er führt hart an der Mädelesgabel vorbei, auf der jeder Tourist im Algäu, der etwas auf sich hält, gewesen sein muß; wir überließen sie gutwillig der ungezählten Schar dieser Pflichtgetreuen, wanderten den Gletscher weiter aufwärts und turnten vorsichtig in die Felsen der Hochfrottspitz (2649 m) hinein. Sie bietet eine recht amüsante Kletterei – für mich das Schönste von allem Bergsteigen! – und oben herrschte köstliche Ruhe und Einsamkeit, im Gegensatz zum Gipfel der Mädelesgabel, von dem es lärmte, johlte und schrie – eine besondere Art der Kundgebung von Naturfreude, die dem Deutschen im Blute zu liegen scheint. Der Heilbronner Weg geleitet noch direkt über den Bockkarkopf (2608 m) und die Steinkarspitz (2653 m), gewährt also unter sehr hübschen Gratwanderungen den Ehrgeizigen einige Gipfel gratis. Man steigt zur Rappenseehütte ab, die ebenso wie die Kemptner Hütte der durch den Höhenweg ungeheuer angewachsenen Frequenz durchaus nicht mehr genügt. Ein gewaltiges Zelt, in dem trotz Sturm und Regen dreißig Personen Schutz suchen mußten, hilft nur wenig aus dem Dilemma; auch der Heuboden war ausverkauft. Die Bauern, denen das umliegende Areal gehört, verlangen jedoch solche Großstadtpreise für jeden Fuß Land, daß der geplante Um- und Neubau der Hütte schon seit Jahren verschoben werden mußte. Ja, die treuherzigen Bauern! In diesem Jahr geht's ihnen ohnehin gut – im Algäu brachten sie das dritte, prachtvolle Heu ein und gestanden zu, daß sie wohl seit hundert Jahren keine so gute Ernte gehabt hätten. – Wieder ganz einsam – denn die beliebten Berge dieser Gegend sind das Hohe Licht und der Rappenseekopf – zogen wir am anderen Morgen zum Biberkopf (2600 m) hinauf, gut drei Stunden von der Hütte aus. Ein merkwürdiger Berg: von einer Seite in schauerlichen, unüberwindlichen Platten aufgetürmt, von der anderen Seite in abgeschieferter Rinne bis zum Gipfel natürliche Stufen zum Klettern bietend. Oben, kaum genoß ich die Aussicht, erreichte uns ein Gewittersturm und trieb uns Hals über Kopf zur »Gufel« hinunter, einer schutzbietenden Höhle, zwanzig Minuten unterm Gipfel. Dort saßen wir klappernd und klatschnaß, bis die liebe Sonne uns befreite und das Geschäft des Auftrocknens während des Abstieges übernahm. Über Lechleiten ging's dann in glühender Mittagshitze am steilen Hang entlang in das hohe, öde Tal von Hochkrumbach, also in den Bregenzer Wald hinein, der sich wenigstens hier durch absolute Abwesenheit des Waldes auszeichnet. Der »Widderstein« (2536 m), von dem aus sich der Bodensee überschauen läßt, und der vom Wirtshaus aus so ein rechter Nachmittagsberg ist, versöhnt mit der beklemmenden Einöde des Tals. Aber ich war doch froh, nach einem halben Regen- und Rasttag abwärts über Schröcken, der »Perle des Bregenzer Waldes«, wandern und über den Schadona-Paß die allerliebste, neue Biberacher Hütte erreichen zu können. Ringsum ist alles Jagdrevier des Kronprinzen; als Aufenthalt dient ihm und seiner Familie das hübsche, kleine Jagdschloß in Hopfreben. Fast überall im Bregenzer Wald, allerdings in jedem Tal etwas anders, tragen die Frauen noch die alte Tracht. Die Kleider sind von oben bis unten in ganz feine Falten gelegt, »plissiert« würde man auf deutsch sagen, die Röcke in Kniehöhe mit einem ganz schmalen, hellblauen Streifen besetzt. Um Hals und Nacken geht eine reiche Silberstickerei, die Ärmel sind je nach Gelegenheit aus Seide, Wolle oder Kattun und von beliebiger Farbe. Die früher stets benutzte Pelzhaube wird jetzt im Sommer durch einen einfachen Strohhut mit Bandschleife, der aber einheitlich getragen wird, ersetzt; nur bei Prozessionen schmücken sich die Mädchen mit dem »Schäpeli«, einer flachen Goldkrone. Angelika Kauffmann, deren Vater aus Schwarzenberg stammte, und die hier nur ein Jahr als Mädchen verbrachte, bewahrte dem Lande größte Anhänglichkeit. Ihrer Jugendarbeit – sie malte die Seitenwände der Schwarzenberger Kirche aus – ließ sie später als Geschenk das schöne Hochaltarblatt folgen, obgleich, wie sie selbst sagte, ihr die Kraft fehlte, Gott-Vater so darzustellen, wie er in ihrem Herzen wohne. – Ich fand am herrlichsten vom Land das Große Walsertal. Eine befriedigende Expedition unternahmen wir vorher, von der Biberacher Hütte aus über das Fürkeln zur Braunarlspitz (2651 m), deren mächtiges Massiv uns schon lange lockte, und die eine der gewaltigsten Hochgipfel des Bregenzer Waldes ist. Eine herrliche Rundsicht belohnt für die Anstrengung, während die Hochkinzelspitze (2307 m), von der Hütte aus bequem in knapp zwei Stunden zu erreichen, hübsche Blicke in die nahen Täler gewährt. So, nachdem wir von allen Seiten ins Algäu und in den Bregenzer Wald geschaut hatten, wollten wir durch das Große Walsertal, über Buchboden und das entzückend gelegene, freundliche Sonntag absteigend, die Ebene zurückgewinnen. Aber schon in Garsella ging mir nach vielstündigem Marsch der Atem aus – und wir vertrauten uns einem kleinen Einspänner an. Denn wer in den Bergen denkt, bergab sei bergab, der irrt sich sehr; auch diese Landstraße stieg weiter und weiter empor, all die verstreuten Dörfer berührend, die sich auf den Terrassen der sehr steilen Talwände angesiedelt haben. Man hielt es für ausgeschlossen, daß man je ins Tal kommen würde, so tief unter uns rauschte das Wasser des wilden Lutzbaches. Endlich, nach zweistündiger Fahrt, geht es in steilen Serpentinen hinab, dem Örtchen Thüringen zu. Seit einer Woche wieder ein Postwagen – zivilisierte Menschen oder solche, die es sein wollen – ein Auto – Fabriken – die Bahn – – kleinlaut steigt man ein und fährt für 20 Heller – gottlob ist der erste Anspruch der Zivilisation an die Börse nicht groß! – bis Bludenz. Hier, in dem alten Städtchen, dessen Burg Hermann von Gilm, der bedeutendste Lyriker Tirols, entstammte, wartet man, bis sich der Himmel wieder klärt und das Fleisch so willig ist wie der Geist zu neuen Eskapaden in die Einöde – zu neuen, herrlichen Genüssen in der Bergwelt!

Vom Königspaar des Rhätikon.

Nicht des Reiters, aber des Reisenden »über den Bodensee« Auge wird am meisten gefesselt von der schneeschimmernden Scesaplana, dem höchsten Gipfel (2967 m) des Rhätikons, dieses zwischen Ill-Rhein-Gargellental und dem Prätigau aufragenden Gebirgsstocks, der sich durch die Formschönheit und Mannigfaltigkeit seiner Gipfel unter allen Gruppen der nördlichen Kalkalpen besonders auszeichnet. Die Königin dieser Kette ist die Scesaplana, um deren Schultern sich ein schimmernder Firnmantel als Hermelin schmiegt. Durch Weganlagen ist ihre Besteigung erleichtert, und ihr Gipfel, der eins der schönsten Panoramen der gesamten Alpen bietet, ist das Ziel Tausender von Bergsteigern, die je nach ihrer Befähigung leichtere oder minder leichte Aufstiege suchen. Ist hier der Preis der Besteigung die unvergleichliche Aussicht, so lockt den Hochtouristen die »Zimbaspitze« (2645 m), von den Einheimischen nur »Der Zimba« genannt, die kühnste und trotzigste Felszinne des Rhätikons; und ist die Scesaplana die liebenswürdige Königin, die den Gast entgegenkommend zu den Schönheiten der Hochalpen führt, so ist »Der Zimba« ein ablehnender Fürst, und viele, die sich an seinen Wänden und Graten versuchen, treffen bei ihm auf schroffe Zurückweisung!

Naturgemäß mußten unter den zahlreichen Gipfeln des Rhätikons diese beiden Hochzinnen unser Ziel bilden. Die »Wir« waren für »Den Zimba«, mein Hochtourist (den ich großmütigerweise mitnahm!), ein junger Führer und ich. Bei gewaltiger Hitze stiegen wir in drei Stunden von Bludenz über Bürserberg zur Sarotlahütte empor. Ich kann nicht sagen, daß ich die überaus primitiven Hütten wie diese, die nur ein Matratzenlager in einem allgemeinen Schlafraum bieten, besonders liebe; schon weil es ja keine Möglichkeit gibt, »Toilette« zu machen. Aber nach all den von bessern Spaziergängern überlaufenen Hütten der letzten Zeit war es direkt wohltuend, sich unter Leuten, die es ernst meinten und ihre ganze Expedition nicht bitter bereuten, wenn es kein »Bier vom Faß« gab, zu befinden. Jede weltliche Torheit, wie Bier überhaupt, lag dem einfachen Senn dort oben fern. Milch von seiner Kuh offerierte er und Eier konnte man haben, aus denen ich fürs Allgemeinwohl in einem schwarzgeräucherten Tiegel eine wunderbare Speise herstellte; und dann schliefen wir, zwei andere Partien, auch jede zu zwei Personen, auf dem Matratzenlager, auf dem nur das Gewissen weich war, in einer Reihe – der junge Führer als Paravent zwischen mir und den übrigen! Freilich, das Einschlafen ging nicht schnell, das pflegt auf Hütten so zu sein; und neben mir durchs Fenster funkelten die Sterne – und die andern beiden Partien hatten »große Sprüch'« geredet: wie schwer es sei – und wie unbequem eine Dame –, denn wegen Steinfalls müßte man größte Rücksicht auf einander nehmen! Wenn ich nun diese Probe auf Trittsicherheit usw. nicht bestand? Etwas zaghaft war mir zumute, und jedenfalls erleichterte es mich, daß wir am nächsten Morgen die Ersten fertig zum Aufbruch waren: so wie der Mensch nun einmal ist, mag man lieber der Schuldige sein am Steinfall (wenn es nun doch mal sein muß!) als der Unschuldige, den sie am Kopf treffen! Unsere Rucksäcke ließen wir, um beim Klettern nicht behindert zu sein, vom Sennen zum Zimbajoch hinauftragen, wo wir sie beim Abstieg aufnehmen wollten: länger als 5 bis 5½ Stunden rechneten wir nicht, da wir bei unserer »Fähigkeit« den Baedeker wie den Purtscheller in ihren Zeitangaben gewöhnlich schlagen.

Im gemessenen Schritt »Echter« begannen wir um halb fünf Uhr morgens den Aufstieg über sehr steile Gras- und Schutthalden – Fuß vor Fuß, ohne Pause, zwei Stunden lang, bis zum Einstieg in die Felsen. Hier nun wurde von dem jungen Führer mit großer Vehemenz der moralische Halt, das Seil, um die Stelle meines Körpers geschlungen, wo sonst die Taille sitzt; zugleich begann die erste Kontroverse zwischen ihm und dem Hochtouristen, der auf Grund seiner »literarischen Kenntnisse« einen andern als den vom Führer bezeichneten Weg einschlagen wollte. Doch da der Führer versicherte, in diesem Jahr schon mehrmals oben gewesen zu sein und »diese neue, leichtere Route« genau zu kennen, so gaben wir nach – leider! Denn das Resultat dieser »neuen, leichteren Route« war vollständiges Versteigen, wobei sehr schwierige und gefährliche Platten- und Traversierstellen zu bewältigen waren. Und dann überhaupt: dieser Berg! Er ist das Niederträchtigste, was man sich denken kann – »treu und fest wie ein Fels« ist ein Hohn auf ihn. Ich klettere gewiß gern, aber ich bin für Zuverlässigkeit im Leben. Bietet »Der Zimba« jedoch einen Griff – fast nur mit Grasbüscheln locker besetzte Steine – so rutscht einem plötzlich der halbe Berg entgegen – und bildet man sich ein, man hätte einen sichern Tritt, so kommt unterm Fuß sofort die ganze Wand ins Wanken. Alles ist brüchig, und dabei eine Steilheit, die oft peinlich wirkt! Bei der ersten, sehr schweren Plattenstelle stürzte der Führer beinahe ab – ich kann nicht behaupten, daß dies mein ohnehin schon sehr ins Wanken geratenes Vertrauen zu ihm erhöhte; denn auch von der Seiltechnik besaß er nur eine unbestimmte Ahnung, und gerade bei unbequemsten Stellen »vertüderte« es sich ihm, wie man in Schleswig-Holstein sagt, und unbekümmert um meine Situation schrie er dann unsichtbar von oben: »Sie, Frau, halten's Ihna fest!« Auch sonst richteten sich seine Umgangsformen nach Stand und Gefahr; das merkte ich besonders beim Abstieg. Ging es leicht, so flocht er ein »Gnädige Frau« in seine Ermahnung – in gefahrvollen Minuten riet er mir schmucklos, in den derbsten Ausdrücken unserer in diesem Punkt ja sehr reichen Muttersprache, mich einfach auf den mir von Gott dazu gegebenen Teil zu setzen und von dieser breiteren Basis aus die Hindernisse zu überwinden. Kurz und gut, der Hochtourist übernahm schon von »der« Platte aus die weitere Leitung und gab alle Anweisungen zur Seilsicherung usw. Ihm verdankten wir es jedenfalls, daß wir überhaupt, und zwar nach unendlich vielen Fährlichkeiten, bei denen ich zum Teil zwischen ihm und dem Führer am Seil eingespannt war, nach 2½ Stunden vom Einstieg aus – also im ganzen von der Hütte aus in 4½ Stunden – den Gipfel erreichten. Trotzdem hatte sich mein Selbstvertrauen neu befestigt, denn ich durfte mir sagen, daß das Seil nur zur Versicherung und nicht ein einziges Mal dazu gedient hatte, um mich »zu ziehen«, wie ein lebloses Paket – ein bei manchen Touristen nicht unbeliebtes Beförderungsmittel.

Die andern beiden Partien mit den »großen Sprüch'« hatten wir einmal in unsrer Nähe bei der Platte klappern hören. Die Armen mußten uns nachgestiegen sein, hatten das Rennen aber dort schon aufgegeben, denn wir hörten und sahen nichts mehr von ihnen, trotzdem wir fast eine Stunde am Gipfel rasteten. Eine schöne Fernsicht, wundervolle Talblicke ins Montafon, über steilabstürzende Wände hinab ins Rellstal und zu den anderen Vasallen des Rhätikons hinüber belohnten uns, gewiß; ich aber genoß diesmal besonders die Ruhe – und das Frühstück und befand mich glücklich bei dem Lob von Führer und Hochtourist, »daß ich meine Sache brav gemacht habe«. Das Ärgste, meinte ich auch, läge hinter uns. »Ja, Schnecken!« Wir nahmen den Abstieg über den Westgrat, »traversierten« also den Berg, da wir übern Ostgrat gekommen waren. Ein Versteigen war wenigstens unmöglich, da die Route immer am Grat entlangläuft – schwindelfrei muß man allerdings sein. Und seine kleinen Überraschungen bietet dieser Westgrat auch sonst; da ist z. B. eine schwierige Strecke über einen etwa 70° geneigten, von brüchigen Schroffen und lockeren Graspacken durchsetzten Hang. Die hat es in sich! Früher konnte man durch einen viel sichereren Kamin absteigen; seit dem letzten Winter ist er verschwunden, da ein großes Gratstück in die Tiefe gestürzt ist.

»Gengan S' nur zu,« sagte der Führer gerade an dieser Stelle ermutigend, viele Meter Seil über mir und durch Felsen versteckt, »der Herr wird Ihna schon zurufen, wo S' hintreten müssen!« Der Hochtourist war zu diesem löblichen Zwecke vorangeklettert. Aber kein Rat, keine Hilfe kam, und als ich endlich hochatmend innehalten mußte, weil des Seiles Länge erschöpft war, saß der Hochtourist gerettet und seelenruhig auf einem Vorsprung und versuchte den winzigsten Zigarrenstummel in Brand zu setzen, den ich je als noch brauchbar gesehen habe! Ja, man macht noch nebenher Charakterstudien in den Bergen. Eine ekelhafte, überhängende rote Nase kam; da ich mit den Füßen den spannbreiten Grat nicht erreichen konnte, sollte ich mich »einfach herunterlassen«. Ich streikte, der Hochtourist stampfte auf dem ohnehin schon wackligen Grat, der Führer schrie sinnloses Zeug von oben – ich kniete an einem senkrechten Abbruch auf einem Eck so groß wie eine Schwefelholzschachtel und wurde noch einmal energisch ersucht, diesen hervorragenden Stützpunkt nun »einfach« für die Ellbogen zu nehmen! Ich schrie alles zurück, was mir im Moment nur an tötlichen Beleidigungen einfiel – und dann entdeckte »man« – ich sage »ich«, der Hochtourist »er«, der Führer »wegen meiner« – die Idee eines Trittes an der Außenwand der Nase, auf die ich meinen rechten Fuß stemmen konnte – gewonnen hatten wir! Der Hochtourist zündete den Stummel frisch an. Nach zwei Stunden heißer Arbeit standen wir am Zimbajoch – die großen Schwierigkeiten hatten damit ein Ende. Immerhin aber folgte noch ein zweistündiger, zum Teil recht ungemütlicher Abstieg über steilen Schroffen und mit Platten durchsetzten Grashänge, die größte Aufmerksamkeit und vollständige Trittsicherheit erforderten, da es für die Hände so gut wie gar keine »Griffe« gab. Schon vom Joch aus, auf dem wir unsere Rucksäcke wieder vorfanden, winkte uns von unten die hübsche und allerliebst eingerichtete Heinrich-Hueter-Hütte, in der es wieder eine Ruhepause und eine Erfrischung gab.

Auf den grünen Matten, von der diese Hütte umgeben ist, sowie auf dem Übergang übers Säulejoch zur Douglas-Hütte habe ich übrigens zum erstenmal Murmeltiere nicht nur »pfeifen« hören, sondern spielen sehen und Männchen machen.

»Zum Abgewöhnen« kam also noch der »hochalpine Spaziergang« zur Douglas-Hütte hinüber, der eigentlich noch gar nicht eröffnet war – die offizielle Eröffnung der wirklich entzückenden Weganlage, die andauernd die schönsten Blicke bietet, ist erst einige Tage später erfolgt; in zwei Stunden erreicht man den köstlich blauen Lünersee, an dessen Ufer die berühmte, höchst originelle Douglas-Hütte »eingegraben« ist, könnte man sagen. Denn um sie vor Lawinengefahr zu schützen, ist sie von einer langen, festen Mauer bis zum Dach gedeckt, und alle Räume der drei wie unterirdisch wirkenden, nach Bedürfnis entstandenen Bauten haben nur Fenster zur Seeseite hin. Und hier gab es einbettige Zimmer – man vergißt ganz, daß so was Schönes auf der Welt existiert! – und schöne Waschtische – und die Möglichkeit, sich ungeniert aus- und anzuziehen! Man wird dankbar auf Bergeshöhen. Und wie das Essen schmeckte – nach elfstündiger »Arbeit« inklusive der Freundlichkeiten des »Zimba«.

Um neun Uhr nach notdürftiger Stopfung aller Löcher und Dreiecke in den »Unaussprechlichen« fällt man ins Bett. Aber lang wird der Schlummer doch nicht sein: »Um vier Uhr bereit – zur Scesaplana!« Il faut obéir – mitgegangen, mitgehangen!