Auch Konny versuchte es. Doch ihr waren Glieder und Hände steif vor Kälte, von ihren Zehen hatte sie das deutliche Gefühl, sie seien aus Glas. Sie riß und zog an den Riemen und endlich stand sie hilflos auf den beiden schmalen Brettern da. Inzwischen hatte sich das Unglaubliche vollzogen: während sie noch mühsam nach Balance suchte, krabbelte schon eine Unzahl von Menschen den Abhang hinauf, dem Doktor folgend, der sie in langen, flachen Serpentinlinien aufwärtsführte. Da hinauf sollte sie auch –? Die Vorstellung war so überwältigend, daß sie sich erst mal rückwärts in den Schnee und zugleich auf die Kante der Skier setzte. Das tat weh, und im Gefühl gänzlicher Machtlosigkeit blieb sie liegen.
Da erscholl aus den Lüften eine Stimme, mahnend – aufmunternd – ratend – und Konny blickte sich um, wem wohl diese sich immer noch steigernde Teilnahme gelten mochte.
»Na, Sie da unten, Fräulein, wollen's denn anfrieren?«
Gelächter von nah und fern und dann dicht an ihrem Ohr eine flehende Bitte: »Stehen Sie doch endlich auf – ich helfe Ihnen – er denkt ja sonst, es ist Eigensinn, daß Sie sich nicht rühren – –.«
Ach Gott, ihr galt diese versuchte Beeinflussung von oben? Aber aus Eigensinn, nein wahrhaftig, saß sie hier nicht.
Mühsam rappelte sie sich empor, brachte die Spitzen der Skier übereinander und wäre wieder gefallen, wenn die Hand ihres Nachbars sie nicht gestützt hätte.
»Lassen Sie die Dame nur gleich das Wenden üben,« erscholl von neuem die Stimme, »und nehmen Sie sich ihrer etwas an, Herr Architekt, wir gehen inzwischen weiter.«
»Was soll ich?« fragte Konny verzagt. »Wenden? Aber ich habe ja keine Ahnung.«
»Der Herr Doktor hat's aber doch erklärt! Also sehen Sie mir einmal zu.«
Diese gewaltsame, ungeheuer schwungvolle Bewegung sollte sie nachmachen?