Ringsum war ein lautes Gelächter losgebrochen, so daß sie erschrocken mit der Zerlegung der chemischen Formel innehielt.
Mit heuchlerischem Ernst sagte der Doktor: »Ich würd's anders übersetzen: C, A – C, A, O – das ist Cacao.«
Sie brachte es zwar zuwege, über ihren Reinfall zu lachen, aber ganz vergeben konnte sie nach Frauenart dem Doktor diese Niederlage doch nicht. Und er mußte wohl ihre stille Abneigung fühlen, denn er begrüßte sie des Morgens nur mit stummer Verbeugung und verließ mittags den Saal erst nach ihr.
Als heute die Präparate für die kommende Woche verteilt wurden, sagte sie: »Ich danke, ich gehe auf ein paar Tage ins Gebirge.« Und auf den etwas erstaunten Blick des Professors setzte sie hinzu: »Ich bin überarbeitet – ich brauche eine Luftveränderung.«
Ihr Ton klang gereizt. Konnte man sich nicht vorstellen, daß es für ihre Arbeit nur vorteilhaft sei, wenn sie mit frischen Kräften an sie hinanginge?
»Man« lächelte unmerklich und gab ihr den väterlichen Rat, sich nur nicht durch irgendeinen dummen Sport noch mehr herunterzubringen oder sich gar eine Herzschwäche zu holen, die bei der jetzigen Unvernunft und Übertreibung an der Tagesordnung sei. »Man« redete ihr zu, lange zu schlafen, kräftig zu essen und ein wenig in der Sonne zu sitzen.
Sie setzte sich wieder auf ihren Platz, aber sie arbeitete nicht mehr.
»Geben S' nach – bleiben S' da?« fragte eine Stimme neben ihr.
Sie schüttelte den Kopf, ehe sie sich noch Rechenschaft darüber gab, wer zu ihr spräche: ah, der »fade« Doktor! Mochte er sich ebenso über sie lustig machen wie die andern. Aber vorläufig sagte er gar nichts, sondern sann vor sich hin. Und dann bat er hastig und scheu: »Mögen S' meine Erfindung anschauen, an der ich gebastelt habe alle Tag'?«
Mein Gott, augenblicklich lag ihr die ganze Arbeit hier so fern! »Gestohlen werden kann sie mir«, hätte sie am liebsten gesagt. Doch zwang sie sich zu einem Lächeln und entgegnete: »Gewiß – gern!«