Als das Rotwandhaus mit seiner wehenden Flagge in Sicht kam, stand sie still. Nicht ein Wort hatte sie ihrem Begleiter auf dem ganzen Weg gegönnt – sie mußte es wieder gutmachen.
Aber als er sie erreichte, sagte er: »Famos sind Sie, Frau Kollega! Nicht geschwätzt beim Bergauf, das lernen die meisten Frauen nimmer!«
»Ich gebe das Lob zurück«, antwortete sie. »Und Ihre Erfindung ist großartig, Herr Doktor – ich gratuliere.«
Er warf die Mütze in die Luft und jauchzte.
»Famos sind Sie«, wiederholte er. »Nix geschmeichelt, nix schöngetan – 's Maul gehalten, Sie verzeihen! still ausprobiert, Erfahrung gesammelt – dann erst anerkannt, des nenn' ich gründlich! Ja, die Frauen von heuzutag' – des is was!«
Ellen Mahder fand es nicht an der Zeit, ihn aufzuklären, weshalb sie so lange geschwiegen. Einmal – es kam ihr vor, als würde es nicht mehr unerträglich lange bis dahin sein – wollte sie ihm die Wahrheit gestehen: ihre Enttäuschung über ihn – und ihr Zurückfinden. – Still und glücklich glitten sie nebeneinander her, bis sie das Haus mit der fröhlich wehenden Flagge erreicht hatten.
III.
»Sie« im Süden.
Osterspaziergänge in Latium.
I. Der Monte Soracte.
Die Gabe, Kunst ernsthaft zu studieren und zu genießen, ist recht verschieden bei uns armen Sterblichen verteilt; nirgends läßt sich diese Behauptung besser und einwandfreier beweisen als in Italien – und hier vor allem wieder in Rom. Florenz gestattet ein stilles, beschauliches Genießen, es gibt keine Entfernungen, man braucht fast immer nur von Haus zu Haus zu gehen. Rom bringt zu seiner kolossalen Ausdehnung und dem Übermaß seiner Sehenswürdigkeiten, die über sein ganzes Areal verstreut sind, noch die Unruhe und Hast der Großstadt – man ist immer auf der Eulenflucht, und hätte man auch lange Wochen zum Besuch der »Ewigen« vorgesehen. Darum hört man nicht selten – am häufigsten von unsern Landsleuten, die in 10-14 Tagen »alles« sehen möchten – den Stoßseufzer: »Gottlob, daß wir abreisen! Ich kann nicht mehr!«