Rache ist süß! dachte Peter Voß, blies die leere Birnendüte auf, legte sie an die Wand und schlug mit der flachen Hand darauf. Das gab einen Knall, so laut wie ein grober Pistolenschuß: denn Mutter Knullens Tüten waren gut geleimt. Sofort erschien des Direktors wachsbleiches Gesicht über ihm.
„Sie wünschen?“ fragte Peter Voß höflich.
Der Direktor fuhr wütend zurück, er hatte nicht die geringste Ursache, sich mit einem so verwahrlosten Proleten zu unterhalten.
Nun lenkte Peter Voß in die Feldstraße ein und blieb vor dem 25. Hause stehen, das er schon deshalb sehr gut kannte, weil er sechs Jahre darin gewohnt hatte. Da stand wahrhaftig noch immer auf dem schmalen Rasenfleck des Vorgartens der kleine Tonhase, dem er einmal den linken Löffel abgeschlagen hatte. Am Pfeiler der Gartenpforte glänzte blankgeputzt das ehrwürdige Messingschild, darauf der Name und Stand seines Onkels zu lesen waren.
„Landgerichtsrat!“ las Peter Voß. „Sieh mal an. Also ist er doch inzwischen etwas weiter gekommen.“
Und schon zog er die Klingel. Drinnen näherte sich jemand mit schleichenden Schritten der verschlossenen Haustür. Die Sicherheitskette wurde vorgelegt, der Schlüssel schnappte, und die Tür tat sich eine Handbreit auf. Eine sehr spitze Nase erschien, darüber ein Paar graue lauernde Augen, darunter ein Mund mit schmalen Lippen, die auf Zahnlücken deuteten.
„Hier wird nicht gebettelt!“ ließ sich eine keifende Stimme vernehmen. „Können Sie nicht lesen?“
Da stand wirklich auf einem ovalen Porzellanschild die Bemerkung: Mitglied des Vereins gegen Hausbettelei.
„Ich möchte den Herrn Landgerichtsrat sprechen!“ sagte Peter Voß.
„Das kennt man schon!“ kam’s höchst ärgerlich zurück. „Das ist die alte Ausrede. Der Herr Landgerichtsrat ist nicht zu Hause!“