„Du mußt fort!“ rief er ängstlich. „In einer Viertelstunde ist das Konzert aus.“

„Fällt mir nicht im Traume ein!“ sagte Peter Voß und legte sich aufs Sofa. „Hier bin ich, und hier bleibe ich liegen und schlafe bis morgen früh. Und wenn dein Drache kommt und mich stört, dann schmeiß ich ihr die Stiefel an den Kopf, daß sie vor Angst ins nächste Mausloch fährt.“

„Aber Peter!“ rief der Onkel entsetzt und sprang auf. „Du untergräbst ja geradezu meine Stellung.“

„Das ist mir schnuppe!“ erwiderte Peter Voß rührungslos und rekelte sich auf dem Sofa. „Einen Herzklaps hast du schon weg, natürlich von den vielen Aufregungen mit den Verbrechern, die du tagaus tagein verknacksen mußt. Laß dich pensionieren, du bist reif dazu! Und komm mit nach St. Louis. Meine Frau wird sich freuen, mit dir spazieren zu gehen, denn ich hab keine Zeit dazu. Ich muß Dollar machen.“

„Meine Haushälterin!“ stöhnte der Onkel.

„Ich weiß schon!“ lachte Peter Voß und war mit einem Satze auf den Beinen. „Du willst, daß dein alter Hausdrache von meiner Anwesenheit nichts merkt. Kleinigkeit für mich! Aber verstoßen lasse ich mich nicht. Ich soll womöglich heute noch nach Breslau fahren, mich ins Coupé dritter Klasse setzen, wo ich hier eine so schöne, weiche Sofaecke gefunden habe. Hältst du mich vielleicht auch für wahnsinnig?“

Der Onkel saß wieder auf seinem Stuhl und fand keine Antwort. Sein Herz machte sich bemerklich. Peter Voß trug zunächst den Schinken und die beiden leeren Weinflaschen, die er mit Wasser füllte und zukorkte, in die Speisekammer zurück. Dann spülte er das eine Besteck und das Weinglas aus, polierte es blank und brachte alles wieder kunstgerecht im Büfett unter. Im Vorbeigehen nahm er draußen im Korridor seine blaue Mütze vom Nagel und steckte sie in die Tasche.

„So!“ sagte er befriedigt, nahm die letzte Weinflasche unter den Arm und wies auf den Schreibtisch. „Und jetzt schreibst du einen Brief. Wenn du nicht weißt, an wen, schreib meinetwegen an Jim Stockes einen schönen Gruß.“

„Aber warum denn in aller Welt!“ rief der Onkel entsetzt.

„Damit wir morgen früh den alten Drachen wegschicken können!“ erklärte Peter Voß und ging in des Onkels Schlafzimmer, wo ein Diwan mit einem dicken Eisbärenfell stand. In das hüllte sich Peter Voß ein, nachdem er sich die Jacke ausgezogen hatte, und nahm noch einen Schluck aus der Flasche.