„Dann erfolgt der Zusammenbruch!“ sagte der Onkel, dessen Interesse an der Fiktion zusehends wuchs.

„Noch nicht!“ erwiderte Peter Voß und hob abwehrend die Finger. „Noch steht die Firma nach außen hin glänzend da, besser als jemals. Ihre Bilanzen sind vorzüglich, sie erhöht die Gehälter ihrer Beamten. Es wird, wie gesagt, nichts versäumt, dem Publikum ordentlich Sand in die Augen zu streuen. Nun hat aber diese Firma am nächsten Morgen zwei Millionen Dollar zu bezahlen. Diese Summe muß unter allen Umständen bezahlt werden! Und nun entspringt in der Phantasie des Kassierers, in seiner verbrecherischen Phantasie, würdest du sagen, die famose Idee, die zwei Millionen Dollar, die gar nicht vorhanden sind, zu stehlen und damit das Weite zu suchen. Und nun frage ich dich als Onkel und Landgerichtsrat: Wie beurteilst du diesen Kassierer?“

„Ja!“ sagte der Onkel ganz verblüfft. „Wem ist damit geholfen? Die Firma muß trotzdem fallieren. Der Plan ist schlechthin wahnwitzig zu nennen.“

„Oho!“ rief Peter Voß beleidigt. „Die zwei Millionen Dollar werden natürlich nicht bezahlt, denn der Gläubiger, an den sie bezahlt werden sollen, muß auf Grund des Diebstahls, und in der Hoffnung, das Geld noch zu bekommen, der Firma Stockes & Yarker Stundung gewähren.“

„Hm!“ meinte der Onkel und beugte sich vor. „Das ist aber ein gewagtes Spiel. Einmal wird dieser Betrug doch aufgedeckt werden.“

„Das glaube ich nicht!“ entgegnete Peter Voß siegesgewiß. „Angenommen, die Firma verdient in der Zwischenzeit an ihren Kupferpapieren, die augenblicklich so gut wie nichts wert sind, drei Millionen Dollar. Sie wird nicht nur imstande sein, sich über Wasser zu halten, sondern auch die zwei Millionen zu bezahlen. Der Kassierer kehrt zurück, gesteht dem Chef die Fälschungen und die fingierte Defraudation ein und wird gerührt ans Herz gedrückt, weil er die Firma gerettet hat.“

Der Onkel schöpfte noch immer keinen Argwohn. Die Sache war denn doch zu haarsträubend und absurd.

„Nun beantworte mir die Frage!“ sagte Peter Voß und tippte ihm auf die Schulter. „Hältst du diesen Kassierer für einen Verbrecher?“

„Unbedingt!“ versetzte der Landgerichtsrat ernsthaft. „Er ist ein Betrüger. Die vier Punkte, die zum Betrug gehören, sind vorhanden. 1. Täuschungshandlung, 2. Irrtumserregung, 3. Vermögens-Disposition, 4. Vermögens-Schädigung.“

„Die ersten drei Punkte gebe ich ohne weiteres zu,“ erwiderte Peter Voß, „aber den vierten Punkt keinesfalls. Wer wird denn geschädigt? Im Gegenteil, wenn die Firma Stockes & Yarker zusammenbricht, werden Tausende von Menschen mehr oder weniger geschädigt. Und der Mann, an den die Millionen zu bezahlen sind, hat sie doch vorläufig noch gar nicht verloren. Es ist vielmehr noch immer Hoffnung vorhanden, daß er sie bekommt, sobald nämlich die Kupferpapiere in den nächsten Jahren in die Höhe gehen. Ob also der Kassierer ein Betrüger ist, kann sich doch erst, vorausgesetzt, daß er sich nicht erwischen läßt, nach Ablauf dieser Frist herausstellen.“