Als Peter Voß wieder auf dem Strienauer Ringe stand, war er fest entschlossen, seiner Stiefvaterstadt den Rücken zu kehren.

Immer darauf bedacht, seine Spur zu verwischen, auch wenn er seinen Verfolger nicht direkt hinter sich hatte, gedachte er nicht die Bahn zu benutzen, sondern sich über die Dörfer nach der nächsten Parallelbahn hinüberzuschlagen. Von hier aus wollte er nach Berlin zurück, um sich einen russischen Paß zu besorgen. Mit dem wollte er dann unter dem Doppeladler sein Glück versuchen. Den Steckbrief fürchtete er nicht, der konnte höchstens dem Kapitän Siems gefährlich werden. Er kaufte sich zum zweiten Frühstück bei Mutter Knulle eine Tüte Aepfel und wollte über die Oderbrücke gehen.

Aber es fing plötzlich an bindfadenstark zu regnen. Darum ging er in den „Blauen Hirsch“ und saß bis zum Abend hinter dem Bierglas. Dann ließ er sich ein Zimmer geben.

Am nächsten Morgen schien die Sonne, und so machte er sich getrost über die Oderbrücke auf die Wanderschaft nach Osten.

Da kam ihm eine lange, überschlanke, schwarze Gestalt entgegengewandelt. Sofort blieb Peter Voß stehen, betrachtete sich den Mann näher und erkannte Friedrich Minkwitz, seinen Schulgenossen, der in der Sekunda neben ihm gesessen hatte. Der Mann ging in tiefe Gedanken versunken der Stadt zu und hatte kein Auge für den Fremdling. Peter Voß schaute sich um. Da kein Mensch in der Nähe war, wagte er es und vertrat ihm den Weg.

„Guten Tag, Friedrich!“ rief er vergnügt. „Kennst du mich nicht mehr?“

Der Angerufene blieb stehen und erwachte aus seinen Träumen. Die wasserblauen, treuherzigen Augen weitaufgerissen, starrte er auf den heruntergekommenen Matrosen und wußte sich nicht zu erklären, wie er zu dieser merkwürdigen Bekanntschaft kam.

„Aber Friedrich!“ sagte Peter Voß und faßte ihn an den obersten Knopf seines schwarzen Rockes. „Also auch du erkennst mich nicht mehr? Ich bin doch Peter Voß!“

Jetzt begann es in Friedrich Minkwitzens Hirn zu dämmern. Seine Lippen zuckten, und sein Gesicht rötete sich vor Freude.

„Ja ja ja!“ stotterte er ganz aufgeregt. „Du bist wirklich Peter Voß. Das ist aber eine Ueberraschung! Wie kommst du denn hierher?“