„Hm!“ meinte Peter Voß vorsichtig, „wenn ich dir das erzählen soll, dann müssen wir uns erst einen stillen Fleck aussuchen, wo uns niemand belauschen kann. Lieb wäre es mir auch, wenn du meinen Namen nicht bei jeder Gelegenheit in die Luft hinausschreien wolltest. Es ist nämlich einer hinter mir her, der mich fangen will.“

Der Schulfreund prallte entsetzt zurück.

„Nur ruhig Blut, du Angsthase!“ lachte Peter Voß und hakte sich bei ihm ein. „Es handelt sich nämlich um eine Wette. Du verstehst, ich komme aus Amerika.“

„Ach so!“ rief Minkwitz, und ein Stein fiel ihm vom Herzen. „Also aus Amerika? Dein Gesicht sieht auch ganz amerikanisch aus. Ich hätte dich beim besten Willen nicht wiedererkannt.“

„Das freut mich!“ lächelte Peter Voß und ging mit ihm zur Brücke zurück. „Du bist eine treue Haut, du wirst mich schon nicht verraten. Am besten ist’s, du nennst mich Müller, Schulze oder Lehmann.“

Und sie kamen überein, daß Peter Voß von nun an Franz Müller heißen sollte. Dicht vor der Brücke machte Peter Voß halt und zog den Freund zum Ufer hinunter.

„Komm mit!“ sagte er. „Wir nehmen ein Boot und rudern ein bißchen. Ich hab dir eine Menge zu erzählen.“

„Und ich dir auch,“ erwiderte Minkwitz, „wenn auch wenig Erfreuliches.“

Fünf Minuten später stießen sie in den Strom hinaus, ließen sich etwas abwärts treiben und legten sich hinter einer einsamen, mit Weiden bewachsenen Buhne fest. Hier weihte Peter Voß den Freund in seinen fingierten Diebstahl ein. Der nahm die Sache ganz anders auf als der Landgerichtsrat Pätsch. Bewundernd schaute er zu dem Freunde empor, der im Eifer seiner Erzählung aufgesprungen war und die Haupttreffer mit bezeichnenden Gesten unterstrich. Diese Lebhaftigkeit des Erzählens stammte noch aus seiner Schauspielerperiode. Zuletzt kam der Abschied vom Onkel daran.

„Du kannst natürlich so lange bei mir bleiben, wie du willst!“ versicherte Minkwitz, ohne nur einen Augenblick zu zögern. „Ich habe ein ganzes Haus zur Verfügung, und das liegt sehr einsam. Ich bin nämlich Dorfschullehrer in Pograu. Zum Studieren langte es nicht. Ich mußte im ersten Semester umsatteln.“