„Na, na!“ lächelte er und strich ihr sanft über die blassen Wangen. „Beruhige dich nur, mein Kind. Er hat die Millionen nicht gestohlen, und er ist geistig ganz auf der Höhe. Wenn die Kupferpapiere erst wieder gestiegen sind, kriegst du deinen lieben Peter wieder. Und ich gebe dir mein Wort, du wirst deine helle Freude an ihm haben.“

Langsam versiegten ihre Tränen. Wie geistesabwesend starrte sie ihn an. War denn der Onkel auch verrückt geworden?

„Siehst du, mein liebes Kind!“ tröstete er sie. „Er ist hier bei mir gewesen und hat mir alles erzählt. Die Millionen, die er gestohlen hat, existieren in Wirklichkeit gar nicht. Sie existieren nur in der Einbildung der anderen Leute. Und auf dieser Einbildung beruht vorläufig die ganze Existenz der Firma Stockes & Yarker. Das will natürlich nicht in dein kleines Köpfchen hinein. Aber gib acht. Wenn man es nur von der rechten Seite betrachtet, ist es ganz leicht zu begreifen. Die Firma Stockes & Yarker hat in den letzten Jahren schlecht gewirtschaftet, und Peter hat die Bücher gefälscht, du versteht, zugunsten der Firma.“

Aber Polly verstand nichts. In ihrem Köpfchen ging das bekannte Mühlrad herum.

„Er hat die Bücher gefälscht?“ stöhnte sie auf. „Wie ist das möglich. Mr. Dodd hat mir erzählt, gerade aus den Büchern hat man das Fehlen des Geldes nachgewiesen.“

„Das war eben die Fälschung!“ belehrte er sie schmunzelnd. „Er hat zu diesem Mittel gegriffen, um die Firma über Wasser zu halten. Und als es nicht mehr ging, hat er mit den zwei Millionen, die er im Lauf der Jahre in die Bücher hineingefälscht hatte, die aber gar nicht vorhanden waren, das Weite gesucht. Mr. Dodd ist hinter einem Millionendieb her, der gar keiner ist.“

„Das ist unmöglich!“ stieß sie hervor.

„Weshalb unmöglich?“ meinte der Landgerichtsrat. „Ich habe in meiner vierzigjährigen Praxis anders über die Möglichkeiten des menschlichen Lebens denken gelernt.“

„Aber das ist ja heller Wahnsinn!“ begehrte sie auf.

„Es ist vielmehr ein Geniestreich!“ rief er. „Ich habe jetzt nur noch den einen Wunsch, daß er gelingen möge.“