Die Haushälterin war geschwind dahinter gekommen, daß den Herrn Rat und die junge Amerikanerin ein tiefes Geheimnis verband. Sie pflegten stets ihr Gespräch abzubrechen, wenn die Haushälterin hereintrat, und unterhielten sich nur ganz leise, wenn sie draußen an der Tür stand und horchte. Diese schmachvolle Vertrauensunwürdigkeit, mit der sie nun ihre langjährigen treuen Dienste belohnt sah, schmerzte sie aufs tiefste. Aber um so schärfer paßte sie auf. Und so konnte sie denn wirklich ein ganz kurzes Gespräch belauschen, das die beiden im Hausflur führten, gerade als sie zu ihrem täglichen Spaziergang aufbrechen wollten.
„Dodd müßte längst hier sein!“ sagte Polly und ließ sich von dem alten Herrn Rat in den Mantel helfen.
„Er ist gewiß schon wieder auf dem Rückwege!“ erwiderte er. „Wenn er das Rennen nicht ganz aufgibt, was für uns das beste und für ihn das vernünftigste wäre. Denn er kriegt ihn doch nicht.“
„Da kennst du ihn schlecht!“ rief sie lebhaft. „Der ist zäh wie Büffelleder. Aber er soll nur wiederkommen. Ich werde ihm alle seine Frechheiten heimzahlen, und das gehörig.“
Alsdann gingen sie hinaus. Die unverehelichte Martha Zippel schlug sich von diesem Augenblicke an zu Dodds Partei.
Sie wollte ihm schon die Augen öffnen über das Komplott! Denn sie haßte Polly von Herzensgrunde.
Drei Tage später traf Dodd in Strienau ein. Es war ein nebliger Abend, als er in die Feldstraße einbog. Zögernd zog er die Klingel, und es öffnete ihm die Haushälterin. Sie stieß einen leichten Schrei der Ueberraschung aus. Der Herr Rat und sein Besuch waren eben ins Theater gegangen.
„Kommen Sie nur herein!“ lockte sie. „Ich muß Ihnen was erzählen.“
Und da er unentschlossen stehen blieb, zog sie ihn am Aermel herein und drückte die Haustür zu.
„Nehmen Sie sich in acht!“ flüsterte sie. „Die Frau ist wütend auf Sie. Sie will Ihnen alle Frechheiten gehörig heimzahlen.“