„So, so!“ machte Dodd und dachte dabei: Sehr gut! Sie hat sich also dermaßen in das Vertrauen des alten Herrn einzuschmeicheln gewußt, daß sie sogar schon auf mich schimpft.
„Trauen Sie den beiden nicht!“ schlug die hastige Stimme der Warnerin an sein Ohr. „Sie schmieden etwas gegen Sie. Sie wohnt auch schon bei uns.“
Das hatte Dodd allerdings nicht erwartet. Er schöpfte Argwohn. Polly war ein schwaches Weib. Und zwei Millionen Dollar waren Geld genug, um auch einen starken Mann zu Fall zu bringen.
„Danke, danke!“ sagte er und lüftete den Hut. „Verraten Sie nicht, daß ich hier gewesen bin. Und das weitere wird sich finden.“
Er reichte ihr sogar die Hand, worüber sie mit einem tiefen Knicks quittierte.
Spornstreichs eilte er ins Hotel, wo inzwischen seine Koffer angekommen waren, und machte Toilette. In dem alten, weißbärtigen, etwas gebückten Jubelgreis, der eine halbe Stunde später, in einen weiten Mantel gehüllt, vor dem Hotel in die Droschke stieg, hätte kein Strienauer einen amerikanischen Detektiv vermutet. An der Theaterkasse erkundigte er sich nach der Loge des Landgerichtsrats Pätsch und ließ sich in der leeren Nebenloge einen Platz geben.
Man spielte „Die Jungfrau von Orleans“ recht und schlecht, wie es sich für ein Provinztheater zweiten Grades schickte. Man war noch im ersten Akt. Polly schien das Publikum viel amüsanter zu finden als die Vorgänge auf der Bühne. So konnte es auch ihrer Aufmerksamkeit nicht entgehen, daß in der Nebenloge ein Zuschauer auftauchte. Sie musterte ihn ungeniert und wandte ihm dann den Rücken. Der Onkel neigte sich zu ihr. Mit Rücksicht auf den Nachbar sprach er Englisch.
„Gefällt es dir nicht?“ fragte er sie.
„Ich mag die klassischen Sachen nicht!“ schmollte sie. „In Amerika spielt man sie besser.“
„Kein Wunder!“ flüsterte er und schaute ihr lächelnd in die Augen. „In Amerika gibt es auch keine deutschen Kleinstädte.“