„Mir ist der Auftrag geworden, das Geld wieder herbeizuschaffen. Nur darum ist es mir zu tun, nicht um die Bestrafung Ihres Mannes.“

„Ach!“ seufzte sie aus tiefstem Herzensgrunde. „Er hat es sicher nicht getan. Es muß ein Irrtum vorliegen.“

„Ein Irrtum ist ausgeschlossen!“ sagte er mit lebhaftem Bedauern in der Stimme und schaute ihr dabei tief in die hellgrauen Augen, die sie groß und erschreckt auf ihn gerichtet hielt.

„Entsetzlich!“ stöhnte sie auf und warf sich schluchzend mit dem Gesicht in die Kissen des Diwans.

„Mrs. Voß!“ beruhigte er sie und berührte sie leise an den zuckenden Schultern. „Die Sache ist gar nicht so schlimm, wie sie aussieht. Ich mache Ihnen folgenden Vorschlag: Wir versuchen Mr. Voß zu finden, überreden ihn im guten, das Geld herauszugeben, und schicken ihn auf ein paar Wochen ins Sanatorium. Dort pflegen Sie ihn wieder gesund. Irgend welche gerichtliche Folgen hat die Sache dann nicht. Darauf gebe ich Ihnen mein Ehrenwort. Nur im Falle er die zwei Millionen nicht herausgeben will, müßte ich zu stärkeren Mitteln greifen. Aber ich hoffe, wenn Sie mich begleiten, wird es nicht nötig sein.“

Polly hörte auf zu schluchzen und richtete sich auf. Dodds sanfte, fast zärtliche Stimme hatte sie aus ihrer Verzweiflung gerissen. Sie schöpfte Hoffnung. Es war ja gar nicht anders denkbar! Peter Voß konnte das Geld nur in einem Zustand augenblicklicher Zerstreutheit genommen haben.

„Wo ist er?“ fragte sie und strich sich die blonden Locken aus der zarten, faltenlosen Stirn. „Führen Sie mich zu ihm.“

„Das wird etwas umständlich sein,“ sagte Dodd erfreut, daß sie auf seinen Vorschlag so bereitwillig einging, „aber wir werden ihn schon finden. Ich denke, in spätestens einer halben Stunde die Route seiner Flucht unzweifelhaft feststellen zu können. Ich will es Ihnen auch gestehen, daß mein Vorschlag auch auf einem guten Teil Eigennutz beruht. Ich kenne Mr. Voß nicht, Sie aber kennen ihn.“

„Hier ist sein Bild!“ sagte sie und reichte ihm eine Photographie, dann sank sie wieder auf den Diwan, schlug ihre Hände vors Gesicht und schluchzte: „O Peter, Peter, daß du mir so etwas antun konntest! Ist das deine Liebe?!“

„Fassen Sie sich!“ beruhigte Dodd sie und betrachtete aufmerksam die Photographie. „Ein hochintelligentes Gesicht! Wir werden unsere liebe Not mit ihm haben. Den Vollbart wird er sich natürlich abnehmen lassen. Und dann werde ich ihn überhaupt nicht erkennen können. Aber bei Ihnen, Mrs. Voß, ist das anders. Sie werden ihn sicher auch ohne Bart erkennen.“