Ueberglücklich sank sie ihm an die Brust.

„Schon gut, schon gut, du armes Ding!“ sagte er gerührt und strich ihr das wellige, nußbraune Haar aus der Stirn. „Zuerst geh ich über die russische Grenze. Dodd kann nicht Russisch. Also ist er da drüben einfach aufgeschmissen. Von Warschau aus telegraphiere ich dir dann zuerst. Der Onkel wird dir einen russischen Paß besorgen. Er kann auch mitkommen, wenn er will.“

Sie war mit allem einverstanden. Aber der Abschied dauerte noch eine Viertelstunde länger, als Peter Voß berechnet hatte. In der Tür rannte er die Haushälterin fast über den Haufen. Er mußte sich in Trab setzen, um noch den Zug nach Breslau zu erreichen. Eingehüllt in seines Onkels Biberpelz, einen nagelneuen, schwarzen Schlapphut auf dem Kopfe, die schützende Brille vor den Augen, begehrte er am Schalter ein Billett nach Oppeln, aber er fuhr nach Breslau, denn die Züge kreuzten sich hier wegen des Anschlusses nach Priesteldorf.

So kam er nach Breslau, zahlte an der Sperre für sein Versehen, in den falschen Zug eingestiegen zu sein, aus des Onkels wohlgespicktem Portemonnaie und ging in die Stadt hinein.

Lustig spazierte er um den Breslauer Ring, wo der Kindelmarkt im besten Gange war. Im Schweidnitzer Keller verzehrte er in einem Aufsitzen sieben Paar Würstchen.

Um diese Zeit wollte sich der Wärter überzeugen, wieviel Emil Popel von dem nassen Wasser und dem trockenen Brot schon vertilgt hatte. Er sah den Mann ganz unvorschriftsmäßig am Tage auf der Pritsche liegen und rüttelte ihn energisch wach.

Da endlich verließ den Landgerichtsrat Pätsch seine stundenlange Ohnmacht.

„Helfen Sie mir!“ röchelte er und hielt dem Wärter die gefesselten Hände hin, der sofort zur Zelle hinausschoß und den Direktor holte.

Erst durch dessen tatkräftiges Eingreifen kam der Rat wieder auf die Beine. Durch eine Handbewegung, die den hohen Grad seiner Erschöpfung deutlich erkennen ließ, schnitt er alle Fragen ab und verlangte einen Wagen. Der Direktor stellte ihm seinen eigenen Mantel zur Verfügung und erstattete sofort Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, die unverzüglich die nötigen Maßnahmen zur Wiederergreifung des entsprungenen Emil Popel verfügte.

So kam der Landgerichtsrat als verkleideter Sträfling heim. Die Haushälterin fiel fast in Ohnmacht. Polly aber verließ ihre Geistesgegenwart nicht.