Allein die Millionen lagen sicherlich bei dem Landgerichtsrat! Das war wenigstens ein Erfolg.
Um diese Zeit ging Minkwitz, kurz bevor die Schule begann, in den Garten. Hier entdeckte er sofort den Einbruch in die Bienenstöcke, denn der zweite Stock stand offen.
Aergerlich über diese Frechheit des Amerikaners entfernte er die Spuren des nächtlichen Einbruchs. Dann ging er ins Schulzimmer, ließ das Morgengebet sprechen und behandelte mit den Kindern der Mittelstufe das siebente Gebot.
13.
Peter Voß hatte sich in Breslau inzwischen umkostümiert. Ein Trödler hinter dem Neumarkt nahm den schönen landgerichtsrätlichen Biberpelz gegen einen lächerlich geringen Preis in Zahlung, und Peter Voß ging aus dem dunklen Laden mit der schäbigen Eleganz eines heruntergekommenen Hausmaklers hervor.
Bei der Umkleidung hatte er bemerkt, daß er die Schlüssel des Onkels in der Eile mit eingesteckt hatte. Auf dem nächsten Postamt legte er sie in eine leere Zigarrenkiste, tat die goldene Brille, die ihm jetzt nur hinderlich war, dazu und überlegte, ob er Polly nicht einen schönen Gruß mitschicken sollte. Er riß ein Telegrammformular vom Nagel und setzte die Feder an. Aber getreu seinem Grundsatz, lieber ein bißchen mehr Vorsicht anwenden, als gerade nötig war, und um sich im Chiffrieren zu üben, schrieb er die Mitteilung nicht in Buchstaben, sondern in Zahlen nieder. Zu dem Zweck bezeichnete er die Buchstaben des Alphabets mit den Ziffern von 1-24, doch so, daß er zuerst die ungeraden und dann die geraden Zahlen nahm.
Mochte sich der Onkel ein bißchen den Kopf zerbrechen! Er würde es schließlich doch herauskriegen.
Und überdies war die Mitteilung, die er schließlich auch jederzeit widerrufen konnte, nur vorbereitender Natur. Dann legte Peter Voß das Formular in die Zigarrenkiste und schickte sie, gehörig verschnürt und mit der Adresse versehen, eingeschrieben an den Landgerichtsrat Pätsch.
Dann überlegte er, wie er seine Brieftasche aus dem Bienenstock in Pograu wiederbekommen könnte. Am sichersten war’s, er holte sie sich selbst. Und da er sich über Strienau nicht wagen durfte, wollte er es von der anderen Seite versuchen.
Aber es eilte damit nicht. Erst mußte er sich einen russischen Paß besorgen. In Berlin, das wußte er, konnte er leicht einen bekommen. Aber er blieb vorerst in dem gemütlichen Breslau, schlief in einem sehr anrüchigen Gasthaus einer versteckten Winkelstraße, wo die dunkelsten Ehrenmänner zu verkehren pflegten, und nannte sich ganz unverfänglich Franz Lehmann.