In einem Blatt fand er die erfreuliche Nachricht, daß der Sträfling Emil Popel auf eine geradezu raffinierte Art und Weise aus dem Strienauer Zuchthaus entwichen war. Auf seine Ergreifung und Wiedereinlieferung war keine Belohnung ausgesetzt worden. Ein Urkundenfälscher war der Justiz nicht so wertvoll wie ein Millionendieb.
Dodd hatte den ganzen Vormittag sein Gesicht mit Salmiakgeist behandelt und konnte gegen Mittag riskieren, wieder unter die Leute zu gehen. Er fuhr in der Droschke zum Zuchthaus und hörte hier von dem Direktor, wie der vermeintliche Emil Popel den Weg zur Freiheit gefunden hatte.
Dodd verzog keine Miene. Der Ausnahmezustand seines Gesichts war dazu nicht sonderlich geeignet.
„Wissen Sie auch,“ fragte er den Direktor, „daß der Landgerichtsrat Pätsch der Onkel dieses von mir verfolgten Peter Voß ist?“
„Was wollen Sie damit sagen?“ rief der Direktor empört.
„Nicht viel mehr,“ versetzte Dodd, „als daß ich diese Flucht für das Resultat einer Verabredung zwischen Onkel und Neffen halte.“
„Herr!“ fuhr der Direktor entrüstet auf. „Welch einen Verdacht wagen Sie da auszusprechen. Sie bezichtigen ja den Landgerichtsrat geradezu der Gefangenenbefreiung!“
„Das tue ich!“ sagte Dodd kühl. „Weil ich von Ihnen soeben gehört habe, daß der Mann, den Sie für Emil Popel, ich aber für Peter Voß halte, nach der Flucht in das Haus des Landgerichtsrats Pätsch eingedrungen ist. Seine Frau war anwesend und hat ihm weitergeholfen. Ihre Ausrede, daß sie den Flüchtigen für den Landgerichtsrat gehalten hat, ist unglaubwürdig.“
„Aber das ist ja Wahnsinn!“ rief der Direktor und griff sich an die Stirn.
„Durchaus nicht!“ antwortete Dodd. „Warum soll ein Landgerichtsrat gerade gegen die unheimlich bestechende Wirkung von zwei Millionen Dollar gefeit sein? Sein Gehalt beträgt nicht acht Millionen Mark. Ferner habe ich mich längst davon überzeugt, daß Onkel und Neffe sich sehr ähnlich sehen.“