Und er kam weiter, aber nicht als Peter Voß, sondern als Iwan Basarow. Zwei schmiedeeiserne Manschetten, die durch kräftige Ketten verbunden waren, mußte er sich um Hand- und Fußgelenke legen lassen. Das war nun einmal hier so Sitte. Zur erhöhten Sicherheit wurden immer fünf Sträflinge an einer langen Kette zusammengeschlossen. Das brachte zwar für die betreffenden eine ganze Menge Unbequemlichkeiten mit sich, hatte aber das Gute, daß sich keiner in dem großen unwirtlichen Sibirien verlaufen konnte.

Peter Voß kam in die Mitte der dritten Kette und freundete sich mit seinen Nebenmännern sofort an. Der eine war ein junger Beamter aus Odessa, der mehrere Unterschlagungen begangen hatte und zu fünf Jahren Strafarbeit verurteilt worden war.

„Jeder russische Beamte lebt von Unterschlagungen und Bestechungen!“ meinte er mit Gleichmut. „Sie müßten alle nach Sibirien transportiert werden.“

Sein hinterer Nachbar war ein alter, graubärtiger Bauer aus dem Gouvernement Perm.

„Ich habe meinen Vater totgeschlagen!“ bekannte er auf Peter Voßens neugierige Frage, ohne bei diesem traurigen Bekenntnis irgendwelche Gemütsbewegung zu verraten.

Da bin ich in eine nette Gesellschaft geraten! dachte Peter Voß und rückte so entschieden von dem Bauern ab, daß die Kette rasselte.

„Er war krank,“ fuhr der Mann fort, „neunzig Jahre zählte er und hatte sehr große Schmerzen. Schon zehn Jahre plagte er sich damit. Da sagte er zu mir: Wassilew, nimm die Axt und schlag mich tot! Und da Gott befiehlt, man soll seinem Vater immerdar gehorsam sein, nahm ich die Axt und gehorchte ihm. Die Richter haben es nicht geglaubt, daß ich ein gehorsamer Sohn bin. Sie glaubten es besser zu wissen. Sie sagten, ich hätte ihn wegen der Erbschaft totgeschlagen. Aber sie wissen nichts von Gott und halten nicht seine Gebote.“

Peter Voß rückte wieder heran, die Konsequenz dieses arglosen Gemüts imponierte ihm.

„Und was hast du getan?“ fragte der Beamte.

„Ich habe eine revolutionäre Gesinnung!“ bekundete Peter Voß als Iwan Basarow; er war einfach nicht imstande, seine Schandtaten genauer aufzuzählen, weil er sie nicht wußte.