„Du bist der Schlimmste von uns!“ sprach der Bauer, und der Beamte war derselben Meinung.
Trotzdem blieben sie gute Freunde, lebten in Gütergemeinschaft und teilten sogar die letzte Zigarette miteinander.
Solange der Zug rollte, schliefen die Soldaten, die den Transport begleiteten. Die Gefangenen, die auf dem Fußboden lagen und saßen, durften nur leise miteinander sprechen. Jede dritte Station hielt der Zug. Jetzt durften die Gefangenen einige Minuten an die frische Luft, durften sich im schmelzenden Schnee die eingeschlafenen Füße vertreten und die Leute auf dem Bahnhof um Gaben ansprechen. Und alle gaben den armen Verurteilten um Gottes willen. Peter Voß war ehrlich erstaunt über diese russische Wohltätigkeit, vergaß aber darüber das Nehmen und das Danken nicht. Ein Teil der gesammelten Gaben mußte an die Soldaten abgeliefert werden, die dadurch immer in Hülle und Fülle hatten und deshalb selten schlechter Laune waren.
Und das war sehr wichtig!
Es läßt sich hier leben! dachte Peter Voß und steckte sich eine Zigarette an. Man darf nur nicht verwöhnt sein. Hauptsache ist, daß ich weiterkomme. Und wie schön, daß ich auf russische Staatskosten befördert werde! Dafür kann man schon einige Unbequemlichkeiten mit in Kauf nehmen.
Der Landschaft, die sich draußen vorbeischob, konnte er kein Interesse abgewinnen. Außerdem war es streng verboten, hinauszublicken. Erst hinter Irkutsk am Ufer des Baikalsees, den die schneebedeckten Bergriesen ernst und drohend umgaben, lohnte es sich, das Verbot zu übertreten. Bald darauf sichtete Peter Voß den ersten Chinesen.
Nur Geduld! dachte er vergnügt, zog ein altes Kartenspiel heraus, das ihm eine mitleidige Seele geschenkt hatte, und versuchte seine beiden Nachbarn in die Kunst des Dreimännerskats einzuweihen. Der Beamte hatte es schnell begriffen, aber der Bauer konnte mit den vielen bunten Blättern nicht zurechtkommen. Also ging Peter Voß zum Schafskopf über, wobei der Bauer den Zuschauer spielte. Zwischendurch horchte er auf die leisen, melancholischen Gesänge seiner Genossen.
Bei Kaidalow wurde der Gefangenentransport von der transsibirischen Bahn auf einen Nebenstrang geleitet, der am linken Ufer der Schilka bei Srjetensk sein Ende fand. Von hier aus ging die Reise zu Wasser weiter, zuerst in einem kleinen, von Blagowjeschtschensk aus auf einem größeren Dampfer, der sie den ganzen Amur hinunter direkt nach Dui bringen sollte. Je näher sie dem Ort ihrer Bestimmung kamen, um so vergnügter wurde die Stimmung. Alle waren froh, daß die Reise zu Ende ging. Wenn die Ketten an ihren Händen nicht gewesen wären, die Fußsesseln hatte man ihnen an Bord abgenommen, man hätte meinen können, freiwillige Auswanderer vor sich zu haben.
So kamen sie in Dui an.
Nachdem man den Gefangenen die Fußfesseln wieder angelegt und die Schlösser geprüft hatte, wurde der ganze Transport an Land gesetzt und vor der Kaserne des Kosakenpiketts, das in Dui stationiert war, in Reih und Glied aufgestellt. Neugierige und Mildtätige drängten sich in Menge heran. Und die Gefangenen streckten ihre Hände aus. Auch Peter Voß heimste ein, was er kriegen konnte, Brot, Fleisch, Speck, Zigaretten, Tabak, Schnaps und Zucker, und stopfte sich damit die Taschen seines durchlöcherten Mantels voll.