Sobald vor ihnen ein gelbes Automobil auftauchte, hatten die Chauffeure ein bestimmtes Signal mit der Hupe zu geben, die wie ein altgermanisches Kriegshorn brüllte. Dreimal schon war Polly davon geweckt worden. Das erstemal war es eine Mietsdroschke aus Grafton, das zweitemal ein großer Vergnügungswagen mit einer ganzen Familie an Bord, das dritte Mal ein Lastfuhrwerk gewesen. Im Morgengrauen erreichten sie die Vorberge der Alleghany. Jetzt erst konnte der Wagen seine Leistungsfähigkeit beweisen. Ohne Verminderung seiner Schnelligkeit schob er sich die ununterbrochene Steigung empor. Am Morgen wurde in Cumberland eine Frühstückspause gemacht.

Polly hatte sich etwas erholt, aß aber wenig. Dodd bediente sie mit einer geradezu hinreißenden Liebenswürdigkeit.

Um zehn Uhr morgens hatten sie die Höhe des Gebirges hinter sich.

Und da erblickte Polly das gelbe Automobil 1177. Die Hupe brüllte.

Wie ein Windspiel stob es den gegenüberliegenden Abhang hinunter und verschwand blitzschnell um die Ecke.

„Das ist er!“ rief sie außer sich und begann am ganzen Leibe zu zittern.

Dodd trieb die Chauffeure zur höchsten Eile an. Aber was half’s? Auf den geraden Strecken konnten sie wohl die ganze Kraft ihrer Maschine ausnützen, aber an den zahlreichen Windungen und Kehren mußten sie viel stärker bremsen als der kleine Wagen, der wie ein Wiesel vorauslief. Da griff Dodd zum letzten Mittel. Kurz bevor das gelbe Auto um die nächste Ecke schoß, riß er seinen Browning heraus. Polly fiel ihm aufschreiend in den Arm. Erst mußte er ihr hoch und heilig versprechen, nicht auf Peter Voß, dessen steifer Hut deutlich im Fond des Wagens zu sehen war, zu schießen. Bei der nächsten Biegung krachte Dodds Waffe dreimal hintereinander. Die letzte Kugel traf, der rechte Vorderreifen platzte mit einem Knall. Das gelbe Auto wurde gegen die Felswand geschleudert. Der steife Hut schoß gegen das vordere Fenster.

Mit drei Sprüngen war Dodd heran, packte den Defraudanten mit festem Polizeigriff und ließ ihn sofort wieder fahren. Der vermeintliche Verbrecher bestand nämlich aus zwei Polstern, einem Luftkissen, dem schon bekannten steifen Hut und einem Ueberrock. Der gelbe Chauffeur, der mit ein paar Schrammen davongekommen war, machte das dümmste Gesicht, das überhaupt einem Chauffeur zur Verfügung stand.

„Ueberlistet!“ knirschte Dodd ergrimmt.

Polly aber fiel in Ohnmacht, als sie den Hut und den Ueberrock ihres Mannes erkannte. Dodd fing sie auf und bettete sie im Wagen.