Es war eine stockfinstere Nacht. Die Gefängnisuhr schlug gerade drei, als Bobby Dodd unbemerkt den allzu gastlichen Ort verließ. Im Gegensatz zu Peter Voß schlug er sich auf Dui zu, wo er am Morgen einem ausreitenden Kosakenpikett in die Hände fiel. Er wurde dem Gouverneur von Dui übergeben, der ihn zunächst ins Gefängnis setzte.

Peter Voß aber hielt die südliche Richtung inne, indem er immer durch das Unwegsamste strebte. Da war er vor den Kosaken am sichersten.

Dodds Flucht wurde am Morgen entdeckt. Der Direktor benachrichtigte sofort den Gouverneur von Dui und die Grenzstationen davon. Dodd bestritt, Iwan Basarow zu sein, und Polly kam ihm zu Hilfe. Also blieb er vorerst im Gefängnis von Dui sitzen. Der Fall lag zu verzwickt, als daß die russische Justiz ihm sofort gewachsen gewesen wäre.

Inzwischen kletterte Peter Voß in den Felsen herum, die den Tiaraberg umgaben, und suchte nach etwas Eßbarem. Die wenigen Beeren, die er fand, waren nur geeignet, seinen Appetit noch heftiger zu reizen. Seit sechsundreißig Stunden hatte er keinen ordentlichen Bissen mehr gegessen. Am Tage durfte er sich nicht über den fünfzigsten Breitengrad wagen, der in Sachalin die Grenze bildete. Und bis zur Dunkelheit konnte er, seinem Riesenhunger nach zu urteilen, schon dreimal verhungert sein. Es blieb ihm nichts weiter übrig, er mußte aus den Felsenregionen hinabsteigen, um zu Menschen zu kommen. Und er suchte und suchte, stieg auf freistehende Felsen, um Umschau zu halten, kletterte auf Bäume. Doch nirgends sah er eine Spur von Rauch, die auf eine Ansiedelung hätte schließen lassen können.

Bei dieser Kletterei aber fand er ein Vogelnest mit sechs Eiern. Er hätte es nicht gefunden, wenn er das brütende Weibchen nicht unversehens aufgescheucht hätte. Nun saß es auf dem nächsten Ast und schimpfte mörderlich. Das Männchen kam herbei und half nach Noten. Diese Vögel waren braun und etwas größer als Drosseln.

„Entschuldigen Sie!“ sagte Peter Voß und lüftete die Mütze. „Ein reisender Handwerksbursche bittet um eine kleine Gabe. Hoffentlich haben Sie die Eier noch nicht zu stark angebrütet.“

Und er trank sie unter dem Protest der beiden Erzeuger der Reihe nach leer. Nur das letzte schmeckte ein wenig bitter.

In der Not frißt der Teufel Fliegen! dachte er, bedankte sich höflich für die Bewirtung, kletterte vom Baum herunter und suchte weiter nach Nestern, denn die Jahreszeit war dafür günstig.

Und da fand er einen Mann mit einem großen, wilden, schwarzen Bart, gelbbrauner Hautfarbe und mit rauhen Fellen bekleidet, die durch Bastbinden zusammengehalten wurden. Er hatte zwei große Hunde bei sich und trug ein frisch erlegtes Reh auf der Schulter. Als er Peter Voßens ansichtig wurde, erschrak er. Die beiden Hunde nicht minder.

„Ich habe Hunger!“ sagte Peter Voß auf russisch.