„Höre, Peter!“ rief sie und drängte ihn von sich. „Ich habe etwas gefunden, etwas sehr Wichtiges. Rate wo? In Dodds Koffer. Er hatte heute morgen vergessen, ihn zu verschließen. Ich habe in seinen Papieren herumgestöbert. Gewiß, es ist schändlich, aber ich habe es getan. Ich hatte es mir schon lange vorgenommen.“
Damit zog sie aus ihrer Handtasche ein in acht Teile zerrissenes und wieder zusammengeklebtes Telegramm, auf dem zwei Reihen Zahlen standen. Es stammte aus Strienau und bewies durch sein Vorhandensein, daß Dodd trotz des unverschlossenen Koffers ein sehr ordnungsliebender Mann war.
Peter Voß schüttelte den Kopf.
„Das ist dein Telegramm aus Berlin!“ klärte ihn Polly auf. „Ich habe selbst gesehen, wie Onkel es zerrissen und in den Papierkorb geworfen hat.“
„Aber wie kommt es in Dodds Hände?“ fragte er ratlos.
„Durch die Haushälterin!“ flüsterte sie und sah sich ängstlich um. „Onkel hat sie auch im Verdacht gehabt.“
„Was du sagst!“ rief er. „Also die unverehelichte Martha Zippel. Das sieht der ganz ähnlich. Aber das ist ja großartig. Da haben wir ja ein unfehlbares Mittel, ihn auf den Holzweg zu schicken und unsere unterbrochenen Flitterwochen ungestört fortsetzen zu können. Und dazu noch in Japan!“
„Ja!“ flüsterte sie etwas verschämt. „Ich habe es mir schon ganz genau ausgedacht, wie wir es machen müssen. Ich habe eine Zeitung mitgebracht, darin mußt du einen Dampfer suchen, der nach San Franzisko fährt. Aber ein recht langsamer muß es sein, daß Dodd ihn mit dem nächsten Schiff überholen kann. Einen Tag, bevor er abfährt, schicken wir ein Telegramm nach Strienau, worin du Onkel um Geld bittest. Er soll es an irgend eine Agentur in San Franzisko schicken. Die Haushälterin wird das Telegramm finden und es Dodd sofort übermitteln. Er wird mit dem nächsten Dampfer, auf dem er dich vermutet, nach San Franzisko fahren. Und wir beide bleiben hier!“
„Wir?“ lächelte Peter Voß kopfschüttelnd. „Ich wohl, aber du nicht. Meinst du, daß Dodd nicht sofort etwas merkt, wenn du hier zurückbleiben willst? Unterschätze den Mann nicht, wenn auch sein Ruhm zum größten Teil auf dem Zeitungspapier steht. Und das ist bekanntlich sehr geduldig.“
„Ich habe es mir so schön ausgedacht!“ schmollte sie und ließ die Unterlippe hängen. „Wir können es ja einmal versuchen. Vielleicht fährt er doch allein und läßt mich hier!“