Peter Voß hatte übrigens weder die Gelegenheit noch die Zeit, ihr einen nächtlichen Besuch abzustatten. Wenn er nicht in den Bunkern herumkroch, mußte er an seinem Plane schmieden, der ihm alle Entbehrungen des letzten Jahres hundertfach vergelten sollte. Tausendmal drehte er ihn um und um, um gegen jeden störenden Zufall gewappnet zu sein. Er stellte ganz genau fest, wie sich Dodd an Bord der „Klondyke“ die Zeit vertrieb. Bis zum Dinner flirtete er mit Polly, dann pokerte er im Rauchsalon und trank Whisky mit Soda. Vor Mitternacht pflegte er selten seine Kabine aufzusuchen, während Polly meistens gleich nach dem Dinner verschwand. Ihre Kabine lag auch nicht neben der seinen. Sein Argwohn hatte sich bis Honolulu schlafen gelegt.
Am letzten Abend der Ueberfahrt war Peter Voß mit seinem Plan völlig im reinen. Um acht Uhr kam er von Wache, und sein Kollege nahm seine Stelle bei den Kohlen ein. Rasch schlüpfte er ins Kimono und schlich sich, da das Dinner noch nicht zu Ende war, ungesehen durch den Kajütsgang in Pollys Kabine. Daß er nicht in die falsche geraten war, sah er an den Toilettengegenständen. Vor dem Steward sicherte er sich durch den Riegel.
Polly erkannte er am Schritt und ließ sie ein. Sie sank ihm wortlos an die Brust und hielt ihn fest. Erst gegen Mitternacht waren sie so weit, daß er sie in seinen Plan einweihen konnte.
„Morgen abend kommen wir in Honolulu an!“ flüsterte er. „Der ‚King Edward‘ wird spätestens übermorgen früh, jedenfalls aber noch in der Nacht in See gehen. Er wartet schon auf uns. Denn wir haben 24 Stunden Verspätung. Dodd wird sofort an Land stürzen, um mich zu verhaften. Es wird sich aber herausstellen, daß ich mit dem japanischen Dampfer nicht angekommen bin. Nun wird er sich auf die Passagiere der ‚Klondyke‘ werfen, vielleicht gar auf die Besatzung. Aber ich werde nicht mehr auf diesem Schiffe sein.“
„Ja, willst du denn an Land gehen?“ fragte sie ganz ängstlich.
„Ich gehe mit dir auf den ‚King Edward‘!“ fuhr er lächelnd fort. „Das ist nämlich der Kniff. An Bord der ‚Klondyke‘ bin ich der Trimmer Ralph Smithson, an Bord des ‚King Edward‘ werde ich der Detektiv Bobby Dodd sein.“
Polly starrte ihn entsetzt an.
„Nichts leichter als das!“ sagte er ruhig. „Dodd wird dir in Honolulu nahelegen, an Land zu gehen. Er wird sein Gepäck ebenfalls dahin dirigieren. Sobald er nun fort ist, wirst du Gegenorder geben und mit seinem Gepäck an Bord des ‚King Edward‘ gehen. Du wirst zwei Kabinen belegen und Dodds Gepäck in die eine bringen lassen. Sobald die Sache so weit gediehen ist, werde ich auftauchen und als Bobby Dodd von dieser Kabine Besitz ergreifen.“
„O!“ rief sie begeistert. „Und dann fährt der Dampfer ab, weil alle Passagiere an Bord sind, und wir beide sind endlich allein.“
„Und Dodd?“ fragte er schmunzelnd. „Er riecht sofort den Braten, signalisiert, kommt uns nach und hat mich schon beim Wickel. Oder wenn er den Dampfer nicht mehr erreicht, telegraphiert er nach Valparaiso und ich bin erst recht in der Falle. Nein, es gibt nur ein Mittel, er muß unschädlich gemacht werden. Ich werde ihn an Bord des ‚King Edward‘ als Peter Voß verhaften.“