„Wo hast du denn die gelbe Tasche?“

„Vor Louisville habe ich sie über Bord geworfen, sie schwimmt längst im Mississippi. Ich schätze so zwischen Kairo und Memphis.“

Moritz Pietje kam allmählich dahinter, daß der Fremde, der bei dem Bootsmann saß, ein steckbrieflich verfolgter Millionendieb war, auf dessen Ergreifung eine Belohnung von zweitausend Dollar ausgesetzt war.

Die will ich mir morgen früh verdienen! dachte Moritz Pietje und schlief ein.

Eine Stunde nach Mitternacht, als das ganze Schiff wie ausgestorben dalag, nahm der Bootsmann seinen allerbesten Freund an der Hand und führte ihn durch verschiedene dunkle Gänge und Löcher in den großen Raum mittschiffs, der für das Passagiergepäck bestimmt war. Die Hälfte des Raumes war schon gefüllt, in langen Reihen standen hier die großen Koffer nebeneinander. Eine einzige Glühbirne brannte da. Michel Mohr schraubte sie aus der Fassung und steckte sie ein. Und es ward pechfinster.

„Im Laderaum brechen wir jetzt die Beine,“ sprach er ganz leise. „Da ist kein Licht. Morgen früh beizeiten komm ich wieder. Schließlich kannst du, wenn’s hell wird, selbst hinunterkriechen. Du weißt ja an Bord Bescheid, und der Dümmste bist du nicht. Leg dich nur hier auf den langen Koffer, da sehen dich die Stewards nicht, wenn sie hier durchkommen. Und hier hast du eine Decke.“

Peter Voß gehorchte, kroch bis zum Hals unter die Persenning, die der Bootsmann aus der Ecke herausgeschleppt hatte, und schloß die Augen.

„Adjüs!“ flüsterte Michel Mohr und schlich davon.

Peter Voß wollte einschlafen, aber er hörte etwas, und das hielt ihn wach. Ganz in der Nähe tickte eine Taschenuhr. Dieses Ticken, so schwach es auch war, irritierte ihn mächtig. Er hielt den Atem an und lauschte. Das Ticken kam aus dem Koffer, auf dem er lag. Nun wurde er nervös.

Zum Teufel! dachte er. Wenn diese vermaledeite Uhr nicht bald stille steht, werde ich die ganze Nacht kein Auge zumachen.