Aber die Uhr tickte unentwegt weiter. Peter Voß fingerte an den beiden Schlössern des Koffers herum. Der Gedanke, die Uhr auf jeden Fall zum Stehen zu bringen, war inzwischen bei ihm zur fixen Idee geworden. Es war ein unverantwortlicher Leichtsinn von dem Besitzer des Koffers, eine aufgezogene Uhr darin zu verpacken.
Die beiden Schlösser waren nichts weniger als sinnreich. Mit seinem Taschenmesser, das, echt amerikanisch, sieben Klingen, darunter einen Champagnerhaken, eine Säge und einen Schraubenzieher besaß, ging er den Nägeln und Schrauben zu Leibe. Gewaltsam bog er die beiden Klammern beiseite. Der Deckel bog sich von selbst, als hätte er eine geheime Feder.
„Damn!“ flüsterte eine Stimme. „Kommst du endlich? Ich hab einen furchtbaren Durst. Mit dem Whisky bin ich schon lange fertig.“
Peter Voß, den so leicht nichts aus der Fassung bringen konnte, packte den Kofferpassagier vor der Brust und sprach mit leiser, aber furchtbar ernster Stimme: „Mann, Ihr seid ein Betrüger!“
Doch der andere ließ sich ebensowenig verblüffen, griff zu, und schon zerrten und balgten sie sich in dem dunklen Raum hin und her. Der Fremde war ein schlanker, sehniger Kerl und verfügte über Riesenkräfte, so daß Peter Voß geschwind ins Gedränge kam. Geschickt entschlüpfte er ihm, und der andere boxte nun wie unsinnig gegen die Kofferecken. So kam er allmählich von Kräften, daß ihn Peter Voß schließlich unterlaufen und wieder in den Koffer hineinschleudern konnte. Mit kühnem Griff klappte er den Deckel herunter. Bis auf den Kopf und die linke Hand war der ungeschlachte Berserker gefangen.
„Wollt Ihr jetzt Frieden geben?“ keuchte Peter Voß.
„Eine ganz verteufelte Lage!“ ächzte der andere. „Drückt nicht so, sonst quetscht Ihr mir den Hals ab.“
„Bitte sehr!“ sagte Peter Voß entgegenkommend und lüftete den Deckel ein wenig. „Wenn Ihr manierlich sein wollt, könnt Ihr es besser haben. Zuerst sagt mir, wer Ihr seid und wie Ihr in diesen Koffer kommt?“
Der andere berichtete kleinlaut, daß er Sam Fletcher hieße und mit seinem Freund Frank Murrel ein feines Plänchen ausgeheckt hätte, um ohne Billett nach Plymouth zu fahren. Sie waren beide am Metropol-Varieté in London engagiert, Sam Fletcher als Musikklown und Frank Murrel als Jongleur und Verwandlungskünstler.
„Und wer seid Ihr?“ fragte er gespannt.