Dodd verzog keine Miene. Wohl war er überzeugt, daß der Mann ohne Gedächtnis Peter Voß war. Aber er hatte kein Mittel, es dem Direktor zu beweisen. Auf Polly konnte er nicht rechnen. Sie hätte ganz sicher die Identität geleugnet.
„Gewiß!“ entgegnete er zögernd. „Aber ich möchte nicht gern von ihm gesehen werden, damit er sich nicht beunruhigt. Er ist offenbar krank und gehört wohl richtiger in die Irrenanstalt.“
„Kommen Sie!“ winkte ihm der Direktor. „Es ist ein Guckloch in seiner Tür. Uebrigens gefällt es ihm hier ausgezeichnet. Ich bin stolz darauf, diesen interessanten Fall in meinen Mauern zu haben.“
„Sie halten ihn also aus wissenschaftlichen Gründen fest?“ forschte Dodd, als sie über den Hof des Gefängnisses schritten. „Er kann doch unmöglich härter bestraft werden als der Matrose.“
„Er ist überhaupt noch nicht verurteilt!“ belehrte ihn der Direktor. „Das Gericht nimmt an, daß er ein schwerer Verbrecher ist und aus diesem Grunde das verlorene Gedächtnis simuliert. Doch das ist eine juristische Torheit. Er wäre sicher schon entlassen worden, wenn ein entsprechender Antrag vorläge. Da er aber seinen Namen nicht weiß, kann er einen solchen Antrag nicht ausfertigen. Ich selbst habe keinen Grund, seine Entlassung zu fordern, da ich der Wissenschaft nicht dieses vortreffliche Versuchsobjekt entziehen möchte. Außerdem hindert mich meine Menschenliebe daran, einen Entlassungsantrag zu stellen. Was soll dieser Mann ohne Gedächtnis draußen im Leben? Er kommt sofort unter die Räder. Ich bin ein Philanthrop.“
Sie standen jetzt vor der Zellentür Nummer 19. Der Direktor machte nach dem Guckloch eine einladende Handbewegung. Dodd schaute längere Zeit angespannt hindurch. Da lag ein Mensch auf dem Bett im friedlichen Schlummer. Das mußte Peter Voß sein, trotz des kurzen Vollbartes, der ihm inzwischen gewachsen war.
Nun galt es, ihn aus diesem Gefängnis herauszubringen. Das war viel schwieriger, als es auf den ersten Blick aussah.
Dodd trat zurück.
„Es hat also keinen Zweck,“ flüsterte er dem Direktor zu, „diesen Menschen nach seinem Namen zu fragen?“
„Vollkommen aussichtslos!“ bestätigte der Direktor.