„Die Brieftasche!“ stieß sie heraus. „Du hast sie! Du warst wirklich im Gefängnis von St. Malo!“
Das war zu viel für sie. Sie sank in den Sessel und schloß die Augen. Peter Voß nahm die Gelegenheit wahr, sie in die Arme zu schließen und sie so lange zu küssen, bis ihr der Atem ganz verging.
Als sie die Augen wieder aufschlug, lag sie allein auf dem Sofa. Peter Voß war verschwunden. Unfähig, nach dem Alsterpavillon zu gehen, kehrte sie auf ihr Zimmer zurück, sank auf einen Stuhl und weinte leise in ihr Taschentuch hinein. Vergeblich wartete der Kriminalbeamte auf sie.
Peter Voß war längst wieder bei Mutter Hansen. Das Kopfkissen gab er ihr zurück. Den Anzug trug sie wieder zum Schneider und bezahlte die Leihgebühr. Sie holte auch das Paket aus Amsterdam vom Zollamt. Der Zwickelbart verschwand. Peter Voß saß bald wie vor Jahren als echter Janmaat an Mutter Hansens Tisch, aß rote Grütze und Pfannkuchen und trank Grog, als wenn er sieben Monate auf See gewesen wäre, rauchte einen Brösel, erzählte seinen zechenden Tischgenossen ein paar fürchterliche Lügengeschichten, die er sich ohne Schwierigkeiten aus den Fingern sog, löste noch an demselben Abend auf dem Altonaer Hauptbahnhof eine Fahrkarte nach Berlin und ließ Mutter Hansen als Bezahlung die Garderobe des fidelen Lebegreises zurück, die sie unverzüglich zum Trödler trug.
Als Dodd ins Hotel zurückkehrte, fand er Polly in Tränen aufgelöst. Unter fortwährendem Schluchzen erzählte sie ihm, was vorgefallen war. Und nun erwies sich sein Mitleid und seine Liebe zum ersten Male stärker als sein beruflicher Ehrgeiz. Er nahm die Verfolgung vorerst nicht auf, sondern blieb bei Polly, um sie zu trösten.
„Mrs. Voß!“ sprach er sanft. „Sie haben sich nun wohl überzeugt, daß Ihr Mann nach jeder Richtung hin unzurechnungsfähig ist, und daß er die Millionen wirklich gestohlen hat. Sie werden an seiner Seite niemals das Glück Ihres Lebens finden. Lassen Sie mich also hoffen, Mrs. Voß, versprechen Sie mir, die Meine zu werden, dann lasse ich diesen Verrückten laufen, wohin er will. Wir werden nach Amerika zurückkehren und ihn zu vergessen suchen.“
Er beugte sich nieder, faßte ihre Hand und drückte einen Kuß darauf.
„Darf ich hoffen, Mrs. Voß?“ fragte er leise.
Aber sie antwortete nicht, sie schluchzte nur und schüttelte den Kopf.
Mit Hilfe der Hamburger Polizei gelangte der neue Steckbrief in das Fahndungsblatt.