Peter Voß aber war in Berlin und geriet mehr aus Neugier, denn aus Solidaritätsgefühl in eine Verbrecherkneipe des Berliner Nordostens. Hier hörte er von einer Stelle erzählen, wo jeder, dem der vaterländische Boden zu heiß geworden war, gegen Geld und gute Worte falsche Papiere erhalten könnte.

Brauch ich nicht! dachte Peter Voß. Ich fahr nach Strienau zu meinem Onkel.

Und das tat er denn auch am nächsten Morgen.

8.

Am Montag vor dem Buß- und Bettag zog Peter Voß im hellsten Sonnenschein in seine zweite Vaterstadt Strienau ein. Er trug seinen alten blauen Anzug, mit dem er in St. Malo im Gefängnis gesessen hatte, und in dem er außerordentlich mitgenommen aussah. Die Hände in den Taschen, die Mütze weit im Nacken, die Zigarette im linken Mundwinkel, so schlenderte er gemütlich über die Promenade der Stadt zu. Sein Gesicht war amerikanisch glattrasiert. Seine Zahnbürste trug er in der Tasche. Ein dunkelblauer Sweater ersetzte ihm die Wäsche.

Die Sache mit Polly ging ihm noch immer im Kopfe herum. Aber was ließ sich dabei machen? Sie hielt ihn eben für verrückt. So schmerzlich es ihm auch war: seine privaten Angelegenheiten mußten vor den Interessen der Firma Stockes & Yarker zurücktreten.

Manchem Bekannten aus seiner Jugendzeit begegnete er, aber er hütete sich wohl, sich zu erkennen zu geben. Endlich gelangte er auf den Marktplatz mit dem alten Rathaus. Da saß noch immer die dicke Mutter Knulle. Sie war in den zwölf Jahren, da er sie nicht gesehen hatte, nicht dünner geworden und hatte den Mund und das Herz noch immer auf dem rechten Fleck. Er blieb stehen und betrachtete sie lächelnd. Wie oft hatte er sich mit ihr herumgezankt! Ob sie ihn wohl noch kannte? Und er trat näher und wagte das Experiment.

„Guten Tag, Mutter Knulle!“ rief er jovial.

„Nu, guten Tag auch!“ erwiderte sie und stützte die Fäuste auf die Wucht ihrer gigantischen Hüften. „Sie kommen wohl von weit her?“

„Direkt aus China!“