kann, weil den Venen innerhalb des Gehirns die sonst in ihnen vorhandenen Klappen fehlen. Einen weiteren Schutz gewährt die von Hyrtl [1] besonders beschriebene Gefässverbindung, in Folge deren die Venen des Gehirns mit denen des Rückenmarks in einem alternirenden Füllungsverhältniss stehen. Am wichtigsten aber ist das zuerst von Magendie in seiner Bedeutung gewürdigte eigenthümliche Verhalten des sog. liquor cerebrospinalis. Diese Flüssigkeit, zwischen den beiden weichen Häuten (Arachnoidea und Pia mater), welche Gehirn und Rückenmark umhüllen, eingeschlossen, hat eben den Zweck, bald durch Zurückweichen in den Arachnoidalsack des Rückenmarks bei gesteigertem Gefässdruck im Gehirn, bald durch Zuströmen in die Schädelhöhle bei vermindertem Druck, die drohenden Schwankungen auszugleichen und dadurch einen wie Magendie sich ausdrückt für die Aufrechterhaltung der Gehirn- und Rückenmarksfunctionen nothwendigen mittleren Compressionszustand zu sichern (un certain degré de compression indispensable à l'accomplissement régulier des fonctions des centres nerveux).
Es fragt sich nun, ob die eben genannten Mittel ausreichend sind, um die Druckschwankungen, denen das Gehirn durch die beim Kitzel auftretende Veränderung an den Gefässen ausgesetzt ist, zu compensiren.
Um diese Frage zu entscheiden, müssen wir noch genauer untersuchen, wie sich der auf dem Gehirn lastende Druck während der eben beschriebenen Veränderungen am Circulationsapparat verhält.
Wir haben es in Folge des Kitzels mit einer Reizung des Sympathicus zu thun; dieselbe führt, wenn sie einen gewissen Grad erreicht, eine entschiedene Verengerung der Gefässe herbei; in den geringeren Graden der Sympathicusreizung aber, wie wir sie bei dem gewöhnlichen leisen Kitzel annehmen müssen, wird als entschieden wesentlicheres Symptom neben einer leichten Verengerung der Gefässe, eine vermehrte Spannung in der Muskulatur der Gefässwand hervortreten. Diese plötzliche Vermehrung des sog. Gefäss-Tonus muss aber, selbst wenn sie ohne Verengerung der Gefässe auftreten könnte, an sich eine
[1] Handbuch der topogr. Anat. Wien 1857. I. p. 97.
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bedeutende Einwirkung auf den Compressionszustand des Gehirns entfalten; denn der Druck, welchen das in den Gefässen fliessende Blut auf das Gehirn ausübt, ist durchaus nicht gleich der Spannung, welche das Blut innerhalb des Gefässrohres besitzt. Es wird vielmehr durch die tonisch gespannte Gefässwand ein bedeutender Theil des Blutdrucks von der Gehirnmasse abgehalten, gewissermaassen parirt. Je stärker der Tonus der Gefässwand wird, um so grösser ist die Druckentlastung, welche die Gehirnmasse erfährt. — Jene oben genannten mechanischen Compensationsmittel, welche alle nur auf eine Vermehrung resp. Verringerung der Blutfülle berechnet sind, würden allein nicht im Stande sein, die beim Kitzel in Folge des gesteigerten Gefässtonus herbeigeführten Druckschwankungen auszugleichen.
Gegen die von dieser Seite her drohenden Gefahren ist aber ein anderer besonderer Schutzapparat in Thätigkeit gesetzt, dessen Wirkung in jeder Beziehung der Leistung jener oben beschriebenen Mechanismen gleichkommt und mit ihnen in wohlberechtigte Concurrenz tritt; es ist dies die in verschiedener Richtung hin thätige, modificirbare Kraft der Respiration. Es ist ja anderweither bekannt, welch gewaltigen Einfluss die Athmung auf den Blutkreislauf ausübt und wenn auch bei ruhiger, oberflächlicher Respiration durch die dabei mitspielenden verwickelten Verhältnisse die verschiedenen Wirkungen der Aus- und Einathmung auf die Arterien und Venen sich ziemlich ausgleichen und aufheben, so finden doch bei forçirten Athmungsbewegungen und namentlich, wenn die freie Respiration irgend behindert ist, sehr wesentliche Veränderungen der Kreislaufsverhältnisse statt. — Bei der Einathmung wird durch das Herabtreten des Zwerchfelles und das Heben der Rippen der Brustraum erweitert und der Inhalt desselben, d. h. also Lungen, Herz und die zu und von ihm führenden grossen Gefässe unter einen geringeren Druck gesetzt. Zur Ausgleichung desselben strömt erstlich die äussere atmosphärische Luft in die Lungen und dehnt dieselben aus; zweitens wird aber auch zugleich das Blut von den grossen Gefässen nach dem Herzen angesogen und dadurch einerseits zwar die Fortbewegung des Blutes in den Arterien etwas gehemmt, dagegen aber andererseits in viel höherem Maasse in den Venen (deren viel dünnere Wandungen
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der negativen Druckschwankung bedeutend zugänglicher sind) die normale Blutbewegung nach dem Herzen zu wesentlich begünstigt und beschleunigt. Bei der Ausathmung aber greifen die umgekehrten Bedingungen Platz; durch Hinabsinken der Rippen und Hinaufdrängen des Zwerchfells wird der Brustraum verkleinert und ein beträchtlicher Druck auf seinen Jnhalt ausgeübt. Deshalb entweicht die Luft aus den Lungen durch die Luftröhre; gleichzeitig aber wird in Folge derselben Ursache der Abfluss des Venenblutes, in der Richtung zum Herzen, wesentlich erschwert, ein Kreislaufhinderniss, das durch die geringe Begünstigung, welche die Circulation in den Arterien vermittelst dieses Zuschusses an Druckkraft erfährt, doch nicht ganz ausgeglichen wird. Namentlich bei sehr heftigen und noch dazu durch vollständigen oder auch nur theilweisen Verschluss der Stimmritze (wie er z. B. zur Tonerzeugung beim Lachen nothwendig ist) bedeutend gesteigertem Exspirationsdruck wird der Rückfluss des Blutes nach dem rechten Herzen sehr bedeutend gehemmt. Die erste Folge davon ist ein Zurückstauen des Blutes in die dem Herzen am nächsten gelegenen Venen, und so sieht man namentlich auch an den grossen Halsblutleitern (Venae jugulares) eine beträchtliche Ausdehnung und pralle Spannung. Es ist klar, dass diese Ueberfüllung mit Venenblut sich auch nach dem Gehirn weiter fortsetzen muss, da ja auch von hier aus der Abfluss gehindert ist.