Dadurch wird aber natürlich ein bedeutender Druck auf das Gehirn ausgeübt, indem das Blut weiterhin auch aus den Gehirnarterien schwieriger abfliessen kann und gezwungen ist, dieselben auszudehnen. Durch die directen Versuche von Donders [1] zeigte sich bei Steigerung des Exspirationsdruckes, dass ein Gehirngefäss von 0,04 Mill. Durchmesser auf 0,14 und eines von 0,07 auf 0,16 erweitert wurde.
Erinnern wir uns nun, dass wir als Wirkung des Kitzels eine reflectorische Sympathicusreizung mit folgender plötzlicher Verminderung des auf das Gehirn wirkenden Blutdruckes annehmen mussten, so werden wir nicht anstehen, in den forcirten
[1] Vgl. Virchow, Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie. Erlangen 1854. Bd. 1. p. 111.
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Ausathmungsbewegungen, die ja, wie wir eben sahen, den Gehirndruck steigern, ein souveraines Mittel zu erkennen, um den in Folge des Kitzels drohenden Gefahren entgegenzuwirken. Und in der That sehen wir, dass die Natur mit selbstwirkendem Mechanismus sich wirklich dieses Mittels bedient; denn was ist das Lachen anders, als eine rhythmisch unterbrochene äusserstforcirte, durch die damit verbundene Tonbildung erschwerte Ausathmung? Wenn wir einen heftig Lachenden ansehen, so fällt uns ja sofort das blau-geröthete Gesicht und das starke Hervorquellen der Halsvenen auf, welche die vermehrte Blutfülle in den venösen Gefässen kennzeichnet, die sich auch nach dem Gehirn fortpflanzen muss. Wir dürfen somit, das Resultat unserer Untersuchung zusammenfassend, das Lachen als eine zweckmässige Reflexbewegung ansehen, welche die Aufgabe erfüllt, die durch den Kitzel verursachten negativen Druckschwankungen im Gehirn durch eine entsprechende Drucksteigerung zu compensiren.
Als nicht unwesentliche Stütze für diesen Satz dient das interessante Zusammenzutreffen der Intermission sowohl des Reizes wie auch der Exspirationsbewegungen. Sehen wir als wesentliches Charakteristicum des Kitzels die fortwährende Unterbrechung und Schwankung des Hautreizes an, so erkennen wir ganz dem entsprechend im Lachen eine rhythmisch intermittirende Ausathmungsbewegung, und wenn es sich auch nicht feststellen lässt, dass jedem einzelnen Hautreiz ein einzelner Exspirationsstoss entspricht, so ist die allgemaine Uebereinstimmung doch auffällig genug, namentlich wenn wir dieselbe mit den beim Schreien aus Schmerz stattfindenden Verhältnissen zusammenstellen. — Der körperliche Schmerz ensteht durch eine stärkere und in ihren Wirkungen anhaltendere Reizung sensibler Nerven und ruft nach Nothnagels und Pflügers Beobachtungen einen anhaltenden Gefässkrampf, eine starke ununterbrochene Verengerung der Gefässe hervor, die aber (wie auch Naumanns weitere Versuche beweisen) nach kürzerer oder längerer Zeit in eine Gefässlähmung und dem entsprechende mehr oder minder bedeutende Erweiterung der Gefässe übergeht. Dem ersten Stadium der ununterbrochenen Gefässverengerung entspricht nun das Schreien als eine ununterbrochene Exspirationsbewegung
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mit demselben Zwecke wie das Lachen [1]. Dem zweiten Stadium der
Gefässlähmung, welches also gerade die entgegen gesetzten
Veränderungen des Gehirndruckes d. h. eine Steigerung desselben zur
Folge haben muss, entspricht das zweite Stadium des Weinens, das sog.
Schluchzen, welches als forcirte Inspirationsbewegung nach dem oben
Gesagten den Druck im Gehirn herabsetzt. —
*b. Das Komische.*
Es ist uns also gelungen für das Lachen, insofern es durch den Kitzel verursacht wird, eine physiologisch-anatomische Begründung nachzuweisen. Nach dem oben Gesagten haben wir damit zum Mindesten (wenn eine directe Uebertragung nicht gestattet ist) einen deutlichen Fingerzeig erhalten, nach welchem Ziele wir bei Untersuchung des Lachens, sofern es in Folge des Komischen entsteht, zu streben haben. Es lässt sich von vornherein vermuthen, dass bei Einwirkung des Komischen dieselben physiologisch-anatomischen Veränderungen eintreten werden, wie nach dem Kitzel, das heisst eine intermittirende Contraction der Gehirngefässe als Folge einer intermittirenden Sympathicusreizung. Das Experiment, das wir zur Bestätigung der geschehenen Sympathicusreizung beim Kitzel anstellten, ist beim Komischen aus leicht begreiflichen Gründen schwer auszuführen. Wenn man Jemandem etwas Komisches erzählt, hält derselbe doch in der Regel seine Augen nicht auf einen Punkt fixirt und wir können die Pupillen nicht genau beobachten; andererseits hört die komische Wirkung meist auf, wenn der Betreffende sich beobachtet fühlt. Dennoch ist es mir nach vielen vergeblichen Versuchen in einigen Fällen gelungen, eine genaue Beobachtung zu machen und konnte ich in der That als Wirkung des Komischen eine deutliche Erweiterung der Pupillen constatiren.