Es muss aber möglich sein, noch auf einem andern Wege
[1] Hieraus erklärt sich u. A. die auffällige Thatsache, dass das Schreien oder auch Stöhnen (welches ebenfalls ein Exspiriren bei theilweise geschlossener Stimmritze darstellt) bei körperlichem Schmerz wirklich eine Erleichterung verschafft.
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dasselbe Resultat, wenn es ein wirklich richtiges ist, festzustellen, nämlich durch eine unbefangene psychologische Betrachtung des Komischen, durch eine Zerlegung desselben in seine etwaigen einzelnen Factoren und Untersuchung, welche Wirkung diese auf den Organismus ausüben. Für die Art und Weise, wie solche Untersuchungen ausgeführt werden müssen, kann die treffliche Arbeit Dommrichs [1] als Muster angesehen werden. In Bezug auf das Lachen ist D. freilich zu keinem Resultat gekommen. Er sagt: „Wie das spielende Vergleichen contrastirender Vorstellungen nun gerade diese Gruppe motorischer Nerven auslöst, ist schliesslich ebensowenig zu begreifen, als warum dies gekitzelte sensible Hautnerven thun." Auch Harless hat sich, wie schon oben erwähnt, mit dem Lachen aus psychischer Ursache beschäftigt. Er lässt dasselbe einfach aus dem Lustgefühl hervorgehen — was, wie wir später sehen werden, durchaus nicht richtig ist — und erklärt den organischen Zusammenhang in folgender Weise: Er sagt: Das Lustgefühl verlangt oder erleichtert und unterstützt jede organisch geforderte Bewegung (?); die von der Natur geforderte active Bewegung ist aber die Einathmung. (?) Es wird also beim Lustgefühl die Inspiration mit der grössten Leichtigkeit vollzogen, aber in der Exspiration, weiche eine ruhige Erschlaffung der Thoraxmuskeln und des Zwerchfelles erheischt, setzt sich die durch die Inspiration eingeleitete Contraction noch fort und geräth daher in Conflikt mit der jetzt organisch geforderten Erschlaffung, was sich in auf und abgehenden Excursionen am Zwerchfell um so leichter abspiegeln wird, als dieser Muskel bei Weitem die geringsten Massen und den grössten Spielraum, und an den Bauchmuskeln keine energischen Antagonisten hat.
Es ist nicht schwer einzusehen, dass diese Erklärung in keiner Weise zutrifft. Abgesehen von der mindestens nicht bewiesenen Prämisse, dass das Lustgefühl jede organisch verlangte Bewegung erleichtert, und der alleinigen Anwendung dieses Satzes gerade nur auf die Inspiration, scheint es mir unzweifelhaft, dass wir beim Lachen gerade keine erleichterte Inspiration, sondern eher eine erschwerte, beobachten und dass wir
[1] Die psychischen Zustände, ihre organische Vermittlung etc. Jena 1849.
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dasselbe vielmehr als eine gesteigerte, forçirte Ausathmungsbewegung (durch Contraction der Bauchmuskeln etc. verursacht) ansehen müssen, die beim starken Lachen sogar bis zum äussersten Punkt geht, bis man nicht weiter ausathmen kann. Die Inspiration ist wegen des bedeutenden zeitlichen Ueberwiegens der Exspiration (gerade im Gegensatz zu Harless' Behauptung) eine sehr hastige, überstürzte und gerade dieses Moment prägt dem Gesicht des Lachenden den ihm eigenthümlichen mimischen Ausdruck auf.
Bei der Hast, mit welcher wegen sofort wieder drohender Exspiration die Einathmung geschehen muss, werden sämmtliche inspiratorische Hilfsmuskeln, auch die des Gesichtes, in Thätigkeit gesetzt, ähnlich wie bei Erstickungszufällen. („Vor Lachen ersticken"). Nicht allein der Mund steht offen und wird durch die Contraction der MM. zygomatici, levatores labii superior. propr. etc. möglichst vergrössert, sondern auch die Nasenflügel sind durch Betheiligung der MM. levatores alae nasi in ihre inspiratorische Stellung versetzt. Es ist diese letztere Thatsache von um so grösserer Bedeutung, als, wie Piderit sehr richtig nachgewiesen hat, der Hauptunterschied zwischen dem lachenden und weinenden Gesicht gerade darin besteht, dass beim lachenden die Nasenflügel in die inspiratorische Stellung versetzt, d. h. gehoben, beim weinenden dagegen durch den depressor alae nasi herabgezogen sind.
Wir kehren nach diesen Zwischenbemerkungen zu unserem Hauptthema zurück und wenden uns, zunächst ganz ohne Rücksicht auf das bisher Behandelte, zu einer psychologischen Entwicklung des Komischen.