[Page 19]

*B. Psychologie des Komischen.*

Komisch oder lächerlich nennen wir diejenigen Dinge, Situationen oder Aeusserungen, welche in uns den Affect des Lachens erregen. Wenn wir zunächst ein allgemeines Urtheil fällen sollen, so werden wir wol nicht anstehen, jenen Affect als einen angenehmen zu bezeichnen, und wir könnten uns daher leicht zu dem weiteren Schlusse versucht fühlen, dass das Komische selbst sich als etwas durchaus Angenehmes, unserem Gefühl durchweg Zusagendes charakterisiren liesse. Dieser Schluss wäre aber ein falscher; denn wenn wir an Beispielen dem Inhalt des Komischen nachforschen, so springt uns gerade umgekehrt bei Allem was unser Lachen erregt, zunächst eine Vorstellung ins Auge, welche etwas Unangenehmes, unserem Gefühl nicht Zusagendes enthält. Schon Aristoteles hat diese Thatsache richtig erkannt und bezeichnet in der Definition des Komischen, die er in seinem Buche peri poiêikês [1] mit kurzen Zügen entwirft, dasselbe als etwas Fehlerhaftes, Hässliches, Ungereimtes (hamartêma ti kai aischos) mit der Einschränkung, dass es nicht schmerzhaft und schädlich sein dürfe. (anôdunon ou phthartikon.) Er führt als Beispiel ein verzogenes und hässliches Gesicht an, das uns dann lächerlich erscheine, wenn wir darin nicht gleichzeitig den Ausdruck des Schmerzes bemerken.

In den meisten späteren Definitionen, deren es eine sehr

[1] Becker's Ausgabe. Berlin 1833. Peri poiêikês. — 5. —

[Page 20]

grosse Zahl giebt [1], finden wir diesen Factor, den Aristoteles mit seinem hamartêma ti kai aischos bezeichnet und in welchem er das Hässliche in seiner weitesten Bedeutung umfasst, mehr oder weniger erschöpfend wiedergegeben, indem von dem Einen mehr das sinnlich Hässliche, von dem Andern das sittlich Hässliche, von einem Dritten das für den Verstand Ungereimte als eigentlicher Inhalt des Lächerlichen besonders betont wird.

So hebt z. B. Kant [2] hervor, dass in Allem, was ein lebhaft erschütterndes Lachen erregen solle, etwas Widersinniges sein müsse, woran also der Verstand an sich kein Wohlgefallen finden könne; alsdann aber fügt er noch einen andern Factor hinzu, den er für den eigentlich wesentlichen hält, indem er weiter mit gesperrter Schrift fortfährt: „Das Lachen ist ein Affect der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in Nichts".

Bei alledem drängt sich uns nun aber die Frage auf, wie es denn zugeht, dass lauter unangenehme Eindrücke, wie das Hässliche, Widersinnige, eine getäuschte Erwartung u. dgl. doch schliesslich einen angenehmen, heiteren Affect hervorrufen, als welcher uns der Affect des Lachens in der That doch erscheint.

Aristoteles hat diese Frage ganz übergangen, Kant dagegen beschäftigt sich lebhaft mit ihr. Er gesteht zu, dass diese Verwandlung der gespannten Erwartung in Nichts für den Verstand durchaus an sich nicht erfreulich sei; da sie nun aber doch indirect auf einen Augenblick sehr lehhaft erfreue, so müsse die Ursache in dem Einflusse der Vorstellung auf den Körper und dessen Wechselwirkung auf das Gemüth bestehen. Er kommt schliesslich [3] nach ausführlicher Excursion hierüber zu dem Resultate, dass die angenehme Wirkung des Lächerlichen auf der für die Gesundheit heilsamen Motion und verdauungsbefördernden Zwerchfellbewegung beim Lachen beruhe; da „das Lachen immer Schwingung der Muskeln ist, die zur Verdauung gehören, welche diese weit besser befördert, als die