[1] Vergl. M. Schasler, Aesthetik I. Bd. Berlin 1871 der die wichtigsten Theorien des Komischen anführt und sehr treffend kritisirt. [2] Kritik der Urtheilskraft. Sämmtl. Werke. Leipzig 1839. Bd. 7. p. 198. [3] Vergl. auch Kant's Anthropologie § 77.

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Weisheit des Arztes thun würde." — Kant spricht hier, wie ersichtlich, nur von dem körperlichen Genuss, den das Lachen bereitet und nicht von dem geistig Angenehmen, was im Lächerlichen selbst liegt, während doch offenbar das Komische selbst dann einen angenehmen Kitzel in uns verursacht, wenn das „lebhaft erschütternde Lachen" nicht zum Ausbruche kommt. Es muss also im Lächerlichen selbst oder in seiner directen Einwirkung auf unser Gemüth neben dem mehr ins Auge fallenden unangenehmen Inhalt noch ein Factor wirksam sein, aus dem sich die angenehme Wirkung des Lächerlichen erklärt. In der That ist auch von anderen Autoren vielfach der Versuch gemacht, diesen Factor neben dem erstgenannten aufzufinden, und zum Belege dafür, in welcher Weise dies geschehen und wie weit es gelungen ist, lasse ich noch einige Definitionen des Komischen hier in aller Kürze folgen, die mir unter den mir bekannt gewordenen, als die bedeutendsten erschienen sind.

Ich erwähne zuerst die Theorie des Lächerlichen von Schopenhauer [1]. Auch er hebt hervor, dass das Lächerliche eine unserem Gefühl unangenehme Wahrnehmung enthält, nämlich die von der Incongruenz zwischen einem Begriff und dem durch denselben gedachten Gegenstande.

Dass diese wahrgenommene Incongruenz uns aber Freude mache, erklärt Schopenhauer in folgender Weise: „Bei jenem plötzlich hervortretenden Widerstreit zwischen dem Angeschauten und Gedachten behält das Angeschaute allemal unzweifelhaft Recht". — „Dieser Sieg der anschauenden Erkenntnisse erfreut uns, denn das Anschauen ist die ursprüngliche, von der thierischen Natur unzertrennliche Erkenntnissweise, in der sich Alles, was dem Willen unmittelbares Genügen giebt, darstellt: Es ist das Medium der Gegenwart, des Genusses und der Fröhlichkeit: auch ist dasselbe mit keiner Anstrengung verknüpft. — Vom Denken gilt das Gegentheil; es ist die zweite Potenz des Erkennens, deren Ausübung stets einige oft bedeutende Anstrengung erfordert und deren Begriffe es sind, welche sich oft der Befriedigung unserer unmittelbaren Wünsche entgegen-

[1] Die Welt als Wille und Vorstellung. Leipzig 1859. (3. Aufl.) Band I. p. 70 ff. u. Bd. II. p. 99 ff.

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stellen, indem sie als Medium der Vergangenheit, der Zukunft und des Ernstes, den Vehikel unserer Befürchtungen, unserer Reue und aller unserer Schmerzen abgeben. Diese strenge, unermüdliche, überlästige Hofmeisterin Vernunft jetzt einmal der Unzulänglichkeit überführt zu sehen, muss uns daher ergötzlich sein." So viel Richtiges die Definition von Schopenhauer auch enthält, so kann ich doch seiner Erklärung von der angenehmen Wirkung des Lächerlichen nicht beitreten. Vor allen Dingen ist jene Bestimmung zu weit umfassend, da nach ihr jeder Irrthum lächerlich sein müsste, in welchem die Anschauung uns belehrt, dass wir etwas Fehlerhaftes gedacht haben; während doch, wie wir später sehen werden, nur unter gewissen Bedingungen (nämlich bei Hinzukommen eines angenehmen Factors, der in dem lächerlichen Dinge selbst liegt) ein solcher Irrthum lächerlich wird.

Ganz im Gegensatz zu Schopenhauer stellt Lazarus [1], der an verschiedenen Stellen seiner geistvollen Arbeit über den Humor sich über das Komische ausspricht, den Sieg des in uns vorhandenen Positiven, Vernünftigen, Idealen über das gegebene Negative als den angenehm wirkenden Factor im Komischen dar, indem er Letzteres überhaupt dadurch entstehen lässt, dass wir das Mangelhafte sehen, wo wir das Vollkommene erwarten; während der von Schopenhauer dem Lächerlichen vindicirte Sieg der gegebenen negativen Vorstellung über das in uns vorhandene Positive nach Lazarus den Affect des Weinens hervorruft. Weiter fasst L. das Komische als eine der drei möglichen Seiten des Contrastes auf, indem er ihm seine Stellung zwischen dem tragischen und humoristischen Contrast anweist. Der Contrast aber ist nach ihm ein solcher Gegensatz, bei welchem die Glieder desselben zugleich einen Punkt oder eine Seite der Vereinigung haben, indem die dabei wirkenden Vorstellungen einmal wegen ihrer Gleichheit zu einem einzigen Denkact verschmelzen, während sie nach anderer Richtung hin wieder ganz und gar geschieden sind. Die Möglichkeit und die Unmöglichheit der Verschmelzung tritt zu gleicher Zeit ein,

[1] Das Leben der Seele. Berlin 1856. I. p 179 ff. Der Humor als psychologisches Phänomen.