Die Art und Weise, wie die neue Vorstellung sich zu dem schon vorhandenen Vorstellungscamplex, der unser geistiges Ich bildet, verhält, wird dabei maassgebend sein. — Die leichtere oder schwerere Einverleibung in denselben (Assimilation) bestimmt die Qualität des dabei entstehenden Gefühls. Es lässt sich in Bezug hierauf folgender Satz aufstellen, der seinen ausgiebigen Beweis in der ganzen folgenden Arbeit finden wird:

Ein angenehmes Gefühl entsteht dadurch, dass eine neue Vorstellung schnell und ungestört mit einer andern eben im Bewusstsein vorhandenen oder einer aus dem gesammten Vorstellungscomplex durch jene geweckten Vorstellung in Verbindung tritt, und auf diese Weise leicht assimilirt wird; während ein unangenehmes Gefühl dadurch entsteht, dass die Assimilation durch irgend welche Umstände eine Verzögerung erleidet.

Um diesen Fundamentalsatz zu beweisen, müssen wir zunächst die Gesetze, nach denen die Assimilation der Vorstellungen vor sich geht, kurz erörtern.

Diese Assimilation, von der wir zu reden haben, ist also derjenige psychische Vorgang, durch welchen eine neu auftretende

[Page 28]

Vorstellung sich mit den schon vorhandenen in bestimmte Beziehungen setzt, mit denselben die mannigfachsten Verbindungen eingeht und dadurch unser geistiges Eigenthum, ein integrirender Bestandtheil unseres geistigen Ich's wird. — Die Gesetze, nach denen diese Assimilation vor sich geht, lassen sich am leichtesten aus der Beobachtung der Reproduction der Vorstellungen herleiten, indem wir, wie eine kurze Ueberlegung zeigt, die Verbindungen, welche eine Vorstellung bei ihrer Assimilation eingegangen ist, am besten nachträglich daraus ersehen können, in welchem Zusammenhange mit anderen Vorstellungen wir sie am leichtesten reproduciren können. Es ist demnach leicht einzusehen, dass die Gesetze der sogenannten Ideenassociation ihren eigentlichen Grund in den Vorgängen der Assimilation zu suchen haben, indem Vorstellungen, die bei ihrer Aufnahme in irgend einer Weise mit einander in Verbindung standen, auch für die Folge derart verbunden bleiben, dass sie sich gegenseitig leicht „wecken". Zunächst werden zwei Wahrnehmungen, die wir einmal oder öfter in enger Verbindung neben einander oder zeitlich nach einander gemacht haben, auch in ihren zurückbleibenden Vorstellungsbildern diesen Zusammenhang behalten und es ergiebt sich daraus das Gesetz der Coexistenz und das der Succession. Die beiden, nach einem dieser Gesetze verbundenen Vorstellungen, werden sehr leicht und daher auch mit einer gewissen Befriedigung eine die andere wecken, so dass, wenn uns eine dieser Vorstellungen etwa durch die Wahrnehmung dargeboten wird, ihr schnell die andere gewissermaassen entgegenkommt und auf diese Weise, indem sie die erstere an sich zieht, deren Verbindung mit dem gesammten Vorstellungscomplex, d. h. die Assimilation erleichtert. Ebenso dient die Aehnlichkeit zweier Vorstellungen in einzelnen wesentlichen oder durch besondere Umstände auffällig gemachten Eigenschaften dazu, diese Vorstellungen in dauernder Verbindung zu erhalten und es ergiebt sich daraus einerseits als dritte Norm der Ideenassociation die der Aehnlichkeit, andererseits erklärt sich aus dem Gesagten die Thatsache, dass eine Vorstellung um so leichter und schneller assimilirt werden kann, je schneller sie ähnliche Vorstellungen zu wecken vermag.

[Page 29]

Das Herausfinden der Aehnlichkeit ist natürlich von einem Urtheil abhängig. Je mehr nun aber der Geist sich ausbildet, um so mehr unterliegt die Aufnahme neuer Vorstellungen auch nach anderen Richtungen hin einer Beurtheilung, von deren Ausfall dann vornehmlich die schnellere oder verzögerte Assimilation abhängig ist. Und zwar stützt sich dieses Urtheil auf gewisse gleichsam abgeschlossene Ideenkreise, die in uns bei wachsender Geistesreife und Charakterentwicklung immer umfassender sich herausbilden, immer bestimmter als ideale Urtheilsmaximen zur Geltung kommen und immer maassgebender werden. Es sind dies die logischen und praktischen Normen, sowie die ethischen, ästhetischen und religiösen Ideen, welche drei letzteren wir auch unter der Bezeichnung der ideellen Normen zusammenfassen können, indem wir darunter die Ideen von Wahrheit, Gerechtigkeit, Güte, Freiheit Sittlichkeit, Schönheit u. dgl., sowie die Gott-Idee und alles darauf Bezügliche verstehen, während die logischen und praktischen Normen in den logischen Begriffen, Urtheilen und Schlüssen, sowie in den Ideen von Zweckmässigkeit, Nützlichkeit etc. ihren Ausdruck finden.

Steht eine Vorstellung oder ein Vorstellungscomplex mit den logischen und praktischen oder ideellen Normen im Widerspruch, so ist dadurch die Assimilation erschwert und es entsteht ein unangenehmes Gefühl; während die Uebereinstimmung mit jenen Normen eine leichte ungehinderte Assimilation und somit ein angenehmes Gefühl bewirkt.

Die logischen, praktischen und ideellen Normen zeigen freilich je nach der Individualität und Bildung des Einzelnen, sowie der Cultur des Volkes, dem das Individuum angehört, in ihrer Zahl und namentlich in ihrem qualitativen Inhalt und ihrer Entwickelungshöhe sehr bedeutende Verschiedenheiten und von der grösseren oder geringeren Ausbildung dieser Normen hängt es mit ab, ob ein Vorstellungscomplex, der mit denselben in Conflict tritt, uns mehr oder minder unangenehm berührt, oder wie gross im umgekehrten Fall das angenehme Gefühl ist, das aus der Uebereinstimmung einer gegebenen Vorstellung mit einer jener Normen entsteht. Im grossen Ganzen