*a. Der Kitzel.*

Das Lachen aus körperlichen Ursachen wird durch den Kitzel hervorgerufen. Der Kitzel besteht, wie eine einfache Beobachtung ergiebt, aus einer Reihe schnell aufeinander folgender, oft wiederholter, ganz leiser Reizungen der Hautnerven.

Nach Schiffs [1] Angabe scheint die beständige Schwankung in der Intensität des Reizes resp. die Intermission das Wesentliche zu sein. Denn man erhält nach ihm die eigenthümliche Kitzelwirkung auch dann, wenn man einen Menschen in schneller Folge an immer anderen Hautstellen mit den Fingerspitzen ziemlich stark stösst. Soll es nun unsere Aufgabe sein, die Zweckmässigkeit der durch diese Reizung reflectorisch ausgelösten Lachbewegung nachzuweisen, so müssen wir zunächst bei einem Vergleiche dieser letzteren mit den Reflexkrämpfen des Hustens und Niesens hervorheben, dass eine directe Entfernung des reizenden Objectes, wie es z. B. beim Niesen geschieht, durch das Lachen nicht erzielt wird. Es wird diesem Zwecke durch andere reflectorische Bewegungen genügt, in Folge derer wir zunächst bestrebt sind, den gekitzelten Körpertheil dem Reize zu entziehen.

Wir müssen daher die Wirksamkeit des Lachens nach einer anderen
Richtung hin vermuthen. Es liegt dabei die Annahme nahe, dass diese
Krampfbewegung nicht direct mit dem Kitzel selbst, sondern erst
indirect mit einer durch den Kitzel hervor-

[1] Lehrbuch der Muskel- und Nerven-Physiologie. Lahr 1858-59 p. 225.

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gerufenen Veränderung im Organismus zusammenhänge. Deshalb erscheint es nothwendig, zuvor die Frage zu erörtern, welche Einwirkungen ein Hautreiz, wie ihn der Kitzel darstellt, auf unsern Organismus ausübt.

Hierbei geben uns zunächst die sehr schätzenswerthen experimentellen Untersuchungen von Dr. Oswald Naumann einen Fingerzeig, welcher, um die Wirkung der Hautreizmittel kennen zu lernen, eine Reihe exacter Versuche angestellt hat, die namentlich darauf ausgingen, den Einfluss der Hautreize auf die Circulation festzustellen [1]. Er richtete einen Frosch, den er durch Trennung der Wirbelsäule vom Kopf getödtet hatte, derartig für das Mikroskop vor, dass er den Blutkreislauf im Mesenterium (dem Dünndarmgekröse — einer feinen Haut, die den Darm überkleidet) gut beobachten konnte, unterband, um bei den folgenden Versuchen jede directe Einwirkung auf das Gefässsystem unmöglich zu machen, die Gefässe des einen Oberschenkels und durchschnitt sodann unterhalb der Unterbindungsstelle alle Theile dieses Schenkels, mit Ausnahme des Nervus ischiadicus (des Hüftnerven — der in seinen feinsten Endverzweigungen u. A. auch die Fusssohle mit Tastnerven versieht), so dass der Thierkörper nur noch durch letzteren mit dem Schenkel in Verbindung blieb. Reizte er nun die Ausbreitungen des Hüftnerven (die Fusssohle) vermittelst des galvanischen sog. Faradayschen Pinsels mit einem im Verhältniss zur Reizbarkeit des Thieres schwachen elektrischen Reiz, so konnte er unter dem Mikroskop eine entschiedene Beschleunigung des Blutkreislaufs in den Gefässen des Mesenteriums, der Lunge und der Schwimmhaut des unverletzten Froschschenkels, sowie eine deutliche Verengerung jener Gefässe beobachten. Da diese Erscheinung sich in den verschiedensten sowohl von einander als auch von der Stelle des Reizes entfernten Gefässprovinzen nachweisen liess, so kann man wol mit ziemlicher Sicherheit schliessen, dass durch jenen Hautreiz überhaupt das ganze Gefässsystem in der gedachten Weise in Mitleidenschaft gezogen wird. Bei Wiederholungen dieser Versuche an der Flughaut lebender Fledermäuse und

[1] Untersuchungen über die physiologischen Wirkungen der Hautreizmittel. Prager Vierteljahrschrift 1863. I. Bd. p. 1 ff.

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