„Um betrügerisches Bankwesen zu hindern, hat die Gesetzgebung von Mississippi verordnet, daß alle diejenigen, welche von Banken borgten, dieselben mit ihren Noten abbezahlen können, gleichviel ob diese Noten noch einigen Werth haben oder nicht. Es ist dies ein sehr zweckmäßiger und durchgreifender Schritt, um die Pflanzer Mississippi’s aus den Händen der Bank-Spekulanten zu retten. Man gab so viele Noten aus, daß an Wiedereinlösung derselben nicht zu denken war. Kurz darauf brachen die meisten Banken, oder ihre Noten fielen mehr als die Hälfte im Preise; dennoch blieben die Zahlverbindlichkeiten der Schuldner an die Banken unvermindert, und es ist daher bloße Gerechtigkeit, daß diejenigen, welche eine betrügerische Masse Noten für voll ausgeben, dieselben für voll wieder zurücknehmen. Hier reduzirt sich also der ausposaunte Reichthum auf dem einfach natürlichen Wege zu seiner wahren Substanz. Wenn der verschuldete Pflanzer vor seinen Bankgläubiger tritt und ihm die schönen Bilderchen zurückgiebt, so kann er sagen: Du hast mir für 50,000 Dollars Nichts geborgt, hier hast du für 50,000 Dollars nichts wieder. Das Beste ist, alle diese Wische ins Feuer zu werfen.“

Doch damit nicht diesem Briefe ein Gleiches wiederfahre, da ich zu lange schon bei einem Gegenstande verweilte, welchen ich aber dem Auswanderungslustigen nicht vorenthalten durfte, damit solcher sehe, welche papierne Glückseligkeit seiner warte, so gehe ich zu meiner eigenen Angelegenheit im nächsten Schreiben über, und werde, wie es die Gelegenheit giebt, Landesverhältnisse einzuflechten suchen.


Zweiundvierzigster Brief.

Fortsetzung.

(Hausbau.)

Im Dezember 1840.

Nachdem der Brennapparat bis auf die nöthigen Dampf- und Wasserleitungs-Röhren angefertigt war, wünschte ich zu erfahren, in welcher Brennerei er aufgestellt und erprobt werden solle, worauf mir die Kunde wurde, daß Mr. Benson im Blumthal (einer Vorstadt New-Yorks), ein Haus dazu gemiethet habe. Auf mein Bemerken, daß dieses nicht hinreichend sey und es rathsamer wäre, diese Probe in einer im Betriebe seyenden Branntweinbrennerei vorzunehmen, da dieses viel weniger Kosten verursache, indem das fertige Maischgut dazu benutzt werden könne, wurde mir erwidert, daß hier von Geldersparen keine Rede sey, und man nicht wünsche, daß außer den betheiligten Personen ein Anderer die Nase in das projektirte Unternehmen stecken solle. Ich möge daher nur Alles zum Brennerei-Betriebe Nöthige ordnen, das Gebäude dazu umschaffen, Fässer, Kübel und Bottiche ankaufen und jedes Mal am Ende der Woche in Rechnung bringen und das weiter nöthige Geld in Empfang nehmen.

Herr, Dein Wille geschehe! dachte ich. Jetzt war ich ganz in meiner Sphäre, und da keine Kosten gescheut wurden, so wurde Alles auf das Beste und Bequemste nach meiner Angabe eingerichtet. — Daß es hierbei nicht ganz ohne Aerger abgehen konnte, läßt sich denken. Da mir Alles allein übergeben war, so war meine Gegenwart überall nöthig und bei mangelnder Fertigkeit der Sprache konnte ich mich oft nur undeutlich expliziren, wurde daher mitunter falsch verstanden und mußte, wenn ich den Maurern am Abend ihre nichtsnutzige Arbeit wieder zusammengetreten, oft den andern Morgen selbst mit Hand an das Werk legen und ihnen so die Sache begreiflich zu machen suchen.

Hier wurde mir auch die Ueberzeugung, daß die Maurer in Amerika, wie bei uns, wenn Arbeiten nicht verakkordirt worden sind, sich dabei nicht übernehmen; und findet auch hier die Sitte nicht Statt, während der Arbeit zu rauchen, weshalb der nasse Schwamm überflüssig wird, so erfordert doch das Wechseln der Bremen und das Ausfüttern der Backen mit Taback, seine gehörige Zeit, und es ist hier wie dort: Wurst wie Schale. —