Von Anfertigung einer Zulage, wie solche bei einem deutschen Hausbau die Zimmerleute vornehmen, weiß der Amerikaner nichts; eben so wenig versteht solcher mit einem unbehauenen Baumstamm, welcher die Axt und das Breitbeil des deutschen Zimmermanns nöthig macht, umzugehen, da die Sägemühlen alle diese Mühen ersparen und besser als es bei uns durch Menschenhände geschieht, zum Hausbau vorarbeiten. Zu allen Häusern werden fertig geschnittene Balken und Säulen verwendet, und dieses Holz sogleich nach Bedarf auf die Baustelle geschafft. Die Balken sind in der Regel nur drei Zoll stark, aber 12–16 Zoll breit, und werden alle 18–20 Zoll auseinander auf die hohe Seite in das Mauerwerk eingelegt. Die Schiedbleichen im Innern des Hauses bestehen gewöhnlich nur aus drei, selten aus vier Zoll starken Säulen, welche drei Fuß auseinandergestellt, durch schräg eingenagelte Riegel mit einander verbunden werden, und so jeder Riegel ein Band bildet, welches das Gebäude vor dem Schieben schützt. Gelocht und gezapft wird nichts, sondern Alles gut mit eisernen Nägeln verwahrt. Die Schiedbleichen, wie die Balkenlagen bleiben hohl, da man Erstere nicht ausmauert und Letztere nicht schalt oder windet, wodurch wegen Beseitigung der Steinmassen zum Ausmauern der Bleichen, der Strohlehm-Verblendung und des Brechannen-Tünches, so wie der Schutte unter den Dielen, dem Gebäude eine bedeutende Last entzogen wird. — Die Fußböden werden mit starken, gespundeten Bretern gedielt, die Decken, wie die Bleichen mit dünnen ½ Zoll breiten Latten so benagelt, daß zwischen einer Jeden etwas Spatium bleibt, wohinein der aufgetragene Kalk sich theilweis drückt, und um so besser hält. Man geht bei diesem Verfahren, Alles hohl zu lassen, von der Ansicht aus, daß erstens der Bau bedeutend billiger komme, und dann auch, daß die im Innern des Hauses in Zwischenräumen abgesperrte Luft die Zimmer eben so warm halte, als es bei ausgemauertem schwachen Bleichwerk der Fall sey.
Gebrannte Dachziegeln kennt man nicht, da ein Ziegeldach schwerlich von den leichten Bauten getragen werden könnte und gewöhnlich waren es Schindeln und weniger schwacher Schiefer, welche früher zum Bedecken der Häuser verwendet wurden. Jetzt macht man die Dächer flach und belegt die Breter-Schalung mit Weißblech, weniger mit Zink. Eine Fallthür gestattet den Ausgang auf solches und die Bewohner des Hauses trocknen bei beschränktem Hofraum daselbst ihre Wäsche. Vorzüglich gut bewähren sich bei Feuerunglück diese flachen Dächer, da man von ihnen leicht in der Nachbarschaft von oben herab dieses verwüstende Element bekämpfen kann.
Die ganz aus Holz zusammengesetzten Häuser haben bei weniger Dauer dennoch ein äußerst gefälliges Ansehen. Wird nun schon nach Verlauf von 6–8 Wochen ein großes massives Haus bis zum Bewohnen fertig und gewöhnlich nach Verlauf dieser kurzen Zeit auch sogleich bezogen, so möchte man sagen: ein solches frame house entstehe über Nacht. — Die Umfassungswände, wie die Schiedbleichen werden ebenfalls nur aus 3–4 Zoll starken Stollen zusammengenagelt. Die Balken und innern Bleichen des Hauses bleiben hohl wie in Backstein-Gebäuden. Die äußern Wände aber sind mit 6–8 Zoll breiten tannenen, sauber abgehobelten und später mit Oelfarbe angestrichenen Bretern bekleidet, welche man von oben nach unten schuppenartig ½ Zoll übereinander legt. Von der innern Seite kommen die schwachen Lättchen zur Unterlage des Kalk-Ueberzugs und die Zwischenräume werden mit ausgelauchter Lohrinde oder Moos ausgestopft, wenn man es nicht der Billigkeit wegen vorzieht, auch diesen Raum hohl zu lassen, wo in letzterm Fall von Wärmehalten freilich keine Rede seyn kann. — In Zeit von vierzehn Tagen ist so ein Haus angefangen, vollendet und bezogen.
Soll ein Gebäude um ein Stock erhöht werden, so reißt man nicht, wie bei uns, das Dach ab, und setzt das neue Stockwerk darauf, sondern man unterfährt das Gebäude, schraubt solches in die Höhe, und bringt die neuen Pieçen im Erdgeschoß an. Eine solche Prozedur geht so sicher und gut, daß oft die Logis nicht völlig geräumt werden und bewohnt bleiben. Wollte man oben aufbauen, so ging das mit Weißblech zusammengelöthete Dach verloren und oft würde auch der Unterbau die neu aufgebürdete Last nicht tragen. — Ja, die Maschinerieen, um damit massive Häuser in die Höhe zu schrauben, sind so praktikabel, daß man ganze Straßen durch Retourschieben der Häuser erweitert hat, und während meines jetzigen Aufenthaltes in New-York sind wiederum Gebäude von ihrem alten Platz um mehrere Schritte verrückt worden, welches eine der interessantesten Erscheinungen für mich war. Mit Holzhäusern macht man gar keine Umstände, und transportirt solche nach Belieben weite Strecken.
Der Zimmermann in Amerika ist eine Vermischung von dem Handwerker dieser Benennung in Deutschland, und jenem Tischler, welchen man bei uns Bauschreiner zu nennen pflegt. — Alle bei einem Hausbau vorkommenden Holzarbeiten macht der amerikanische Bauzimmermann, welches Geschäft ganz verschieden von dem des Schiffszimmermanns ist.
Der Ausbau eines Hauses geht ebenfalls, wie es mit dem Mauerwerk der Fall ist, wie mit Dampf. Die Fußböden, Treppen, Thüren und Fenster entstehen nur so unter der Hand, da das zu verwendende Material schon durch Maschinerie vorgearbeitet ist, und die einzelnen Stücke nur der Zusammensetzung bedürfen. Die Dielen, welche gewöhnlich nur 6–8 Zoll breit sind, da man wegen des Verwerfens den Kern beseitigt und diese Breite auch der Maschine, welche das Hobeln, Fugen und Spunden besorgt, besser zusagt, werden in der ganzen Bretslänge aufgenagelt, weil Verzierungen der Fußböden mit Friesen nicht vorkommen und die Hausbewohner in der Regel Teppiche legen. Ein vorher sich nöthig machendes Ebenen der Balken, worauf die Breter zu liegen kommen, wie es bei uns geschehen muß, findet nicht Statt, da die Balkenlagen genau nach einer Stärke geschnitten sind.
Besondere Stiegenhäuser findet man nur selten und mit Nichts geizt man im Innern des Hauses mehr, als mit dem Raum zur Treppe; selten sind solche breiter wie drei Fuß, gehen in der Regel gleich hinter dem Hauseingang in die Höhe und werden nur im Nothfall mit Winkelstufen versehen. Der Transport der größern Möbelstücke oder Instrumente muß daher durch die Fenster geschehen.
Die Rahmenstücke zu Thüren und Fenstern sind alle vorher durch Maschinerie gehobelt, gestemmt und gezapft. Flügelfenster kennt man nicht, sondern dieselben werden beim Oeffnen von unten herauf in die Höhe geschoben. Die Arbeit des Verglasens ist das Geschäft des Bauzimmermanns mit und geht, gleich Allem, schnell von Statten, da man nur drei verschiedene Größen der Glastafeln in Anwendung bringt und solche überall genau nach der Nummer bekömmt, welche man ohne Diamant einsetzen kann.