„Diese so unähnlichen jungen Leute beider Geschlechter vereinigen dereinst sich durch eine Heirath. Der Mann folgt dem Laufe seiner Gewohnheiten und bringt seine Zeit entweder auf der Börse oder in seinem Magazine zu. Die Frau, welche von dem Tage ihrer Vermählung an vereinzelt dasteht, vergleicht das reelle Leben, welches ihr zu Theil wird, mit der Existenz, von der sie träumte und da von dieser neuen Welt, welche sich ihr öffnet, nichts zu ihrem Herzen spricht, so nährt sie sich von Luftbildern und lies’t Romane. Es lächelt ihr wenig Glück, sie wird fromm, und lies’t Predigten. Hat sie Kinder, so lebt sie unter diesen, pflegt und liebkoset sie. Auf solche Weise fließen ihre Tage dahin.
„Am Abend kommt ihr Mann nach Hause; er ist sorgenvoll, unruhig, von Anstrengungen erschöpft und träumt von Spekulationen des folgenden Tages. Er setzt sich zum Essen und giebt kein Wort von sich; die Frau weiß nichts von den Geschäften, welche seine Seele ausfüllen, und so kommt es denn, daß sie selbst in Gegenwart des Mannes noch vereinzelt dasteht.
„Der Anblick seines Weibes, seiner Kinder, vermag den Amerikaner nicht der Geschäftswelt zu entreißen, und so selten giebt er denselben ein Zeichen seiner Liebe und seiner Zärtlichkeit, daß man demjenigen Familienvater, wo dieses mitunter vorkommt, und der Mann seine Frau und Kinder bei der Heimkehr umarmt, den Spottnamen: „küssende Familie“ beilegt.
“In den Augen des Mannes ist die Frau keine Gefährtin, sondern eine Handelsgenossin, die das von ihm durch den Handel oder sonstige Spekulationen gewonnene Geld für seine Wohlfahrt theilweis wieder ausgiebt.
„Aus der sitzenden und zurückgezogenen Lebensweise der amerikanischen Frauen, und aus den klimatischen Verhältnissen erklärt sich die Schwäche ihres Geschlechts; sie verlassen das Haus selten oder nie, machen sich keine Leibesbewegung, leben von leichter Nahrung und haben meist viele Kinder. Es darf daher nicht verwundern, wenn sie vor der Zeit altern und jung sterben.“
„Solche Gegensätze bildet das Leben beider Geschlechter in der vornehmen reichen Volksklasse; das der Männer ist bewegt, das der Weiber, traurig und eintönig. Gleichförmig verfließt es bis zu dem Tage, wo der Mann seiner Frau ankündigt, daß er bankerott gemacht habe. Dann wird aufgebrochen, und dieselbe Existenz anderswo aufs Neue begonnen.“
Die Lebensweise der amerikanischen Frauen aus den Mittelständen hat Vieles gemein mit dem Leben der vornehmen Volksklassen, doch schließt es sich schon mehr den deutschen Sitten an; dabei unterlassen sie aber nicht, öfters ihre Ueberlegenheit, wozu sie das Gesetz erhebt und beschützt, den armen Männern fühlbar zu machen.
Bei Führung der Haushaltung suchen die Frauen möglichst wenig Arbeit selbst zu übernehmen, und wenn die Domestiken fehlen, so muß die liebe Ehehälfte, der gute Mann, außer den sonstigen häuslichen Verrichtungen, auch noch für die Herbeischaffung der nöthigen Lebensmittel sorgen. Im niedrigsten Stande sucht die Frau, gleich wie bei uns, mit ihrer Hände Arbeit Geld zu verdienen, um es dann wieder in Gemeinschaft des Mannes zu vertrinken.
In ihrer Jugend sind die amerikanischen Frauenzimmer meist sehr hübsch, aber mit dem Kindbette verlieren sie ihre Schönheit, und mit zunehmender Familie schwindet ihr blühendes Aussehen ganz. Die Zähne fangen an schlecht zu werden, und mit wenig Ausnahme sind im dreißigsten Jahre keine Spuren der frühern Reize mehr vorhanden.
Bei der Verehelichung der Geschlechter findet nicht, wie es bei uns Sitte ist, ein kirchliches Aufgebot oder eine sonst gerichtliche Bekanntmachung des Vorhabens Statt, sondern der Pfarrer vollzieht, wenn die Gebühren entrichtet worden sind, die Trauung zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Orte, ohne weiter danach zu fragen, ob die Verbindung mit oder ohne Einwilligung der Eltern geschieht, oder ob sonst Jemand Etwas dagegen einzuwenden hat. Daher kommt es auch, daß in Amerika Viel-Weiberei nichts Ungewöhnliches ist und Fälle vorgekommen sind, daß dem Gesetze zum Hohne, welches solches verbietet, Männer sich sechs und mehr Weiber haben antrauen lassen. In wilder Ehe leben Tausende von Menschen, und nach der neuen Vernunftslehre paßt es gar nicht mehr in jetzige Zeit, bei Vereinigung der Geschlechter einen Geistlichen oder sonst eine weltliche Macht zuzuziehen.