Viele der neugebornen Kinder bleiben nach solchen Grundsätzen ungetauft, und die Eltern legen ihnen selbst einen beliebigen Namen bei, weshalb auch keine Kirchenbücher zum Einzeichnen des Tages der Geburt und des Namens vorhanden sind.
Weder über die Geburten, noch über die Sterbefälle werden authentische Register geführt, wodurch die bürgerlichen Rechte, welche aus der Geburt und der Ehe erwachsen, sehr gefährdet werden, und je älter das junge Amerika wird, um so nachtheiliger muß dieses Verfahren für die Geschlechter sich herausstellen, und Anlaß zu einer Unzahl der verwickeltsten Prozesse abgeben.
Während der Zeit von drei Wochen, wo man auf dem Schiffe nichts weiter zu thun hat, ward alles bei mir habende Gedruckte gelesen, und jetzt die Zuflucht zu den vielen mir anvertrauten, unversiegelten Briefen genommen, welche ich entweder persönlich überbringen, oder, von mir auf dem Kontinent mit Kouverts versehen, der Post zur weitern Besorgung übergeben sollte.
Weit entfernt, die brieflichen Geheimnisse verrathen zu wollen, so halte ich es doch für räthlich, über diese Schreiben nur so viel zu sagen, daß in manchen, aber leider nur in den wenigsten, die wahren Verhältnisse der Abwesenden geschildert waren und dem gegebenen Versprechen gemäß ohne falsche Schaam über das betroffene Loos treulich berichteten, um vor ähnlichem Schritte zu warnen. Andere dagegen standen im grellsten Widerspruche mit dem Leben und Wirken der Schreiber, welche sich brüsteten, täglich so und so viel zu verdienen, und dabei verschwiegen, daß sie Monate lang unbeschäftigt, nicht mit dem auskommen konnten, was während der Arbeitszeit übrig geblieben war, und auf bessere Zeiten los, Schulden machen mußten. Mitunter ist es auch wahr, daß der tägliche Lohn zur Zeit der Absendung des Briefes die in Letzterem angegebene Höhe erreicht hat, es fragt sich aber, ob der Verdienst auch von Dauer ist, in welchem Falle sich der Handarbeiter in Amerika bei Selbstbeherrschung schnell eine hübsche Summe ersparen kann, welches ihnen bei uns nach den Statt findenden Arbeitslöhnen in der Hälfte seines Lebens nicht möglich seyn würde. So aber ist in der Regel hier alle Arbeit nur momentan, da der amerikanische Fabrikherr nicht nach deutscher Manier, eine Bestellung nach der andern in Arbeit giebt, und so fortwährend eine bestimmte Anzahl angelernter Arbeiter beschäftigt, sondern zu gleicher Zeit alle Aufträge vornehmen läßt, wozu ihnen die zweckmäßigen Maschinen die Möglichkeit verschaffen, auch dabei Gehülfen mit anstellt, welche das Geschäft eigentlich nicht erlernt haben, und es demnach nur einiger guter Vormänner bedarf, welche die Aufsicht führen. Wie nun die neu eingehenden Bestellungen nachlassen, und die Arbeiten schnell gefördert werden, so vermindert sich auch die Zahl der Arbeiter oft bis auf die wenigen Vormänner, und die fleißigsten Hände erwarten dann mit Ungeduld die Zeit, wo sie von Neuem Beschäftigung und Verdienst erhalten. Daher darf man nicht fragen: Was verdient ein Arbeiter in Amerika den Tag? Sondern: Was bleibt übrig, wenn das Jahr um ist? und das Facit ist in der Regel, wie bei uns, Nichts! Dabei lebt man aber in unserm Vaterlande in einer heilbringenden, geregelten Freiheit, welche der Gerechtigkeitsliebende aus jedem Stande, der das Gute nur erkennen will, überall, wenn auch zu Zeiten umwölkt, auffinden kann. Jedem Menschen es recht zu machen, vermag kein Gott, noch weniger eine Behörde. Wo sind aber in Amerika die Staaten, in denen für Alle, arm oder reich, gleiche Rechte wie bei uns, zu finden sind? Und dennoch lassen Viele sich bethören, verlassen, um der Freiheit willen, ihr liebes Vaterland, und übergeben sich der Gnade und Abhängigkeit der reichern amerikanischen Volksklassen.
Einige meldeten, daß sie in Amerika mehr Fleisch äßen, als sie in Deutschland gesehn hätten, und vor Allem Kalbs-, Rinds- und andere Köpfe, von welchen der Amerikaner keinen Gebrauch mache, um einen Spottpreis kaufen könnten; desgleichen wären auch Knochen mit noch vielem Fleischanhang beinah um nichts zu haben.
Wie ich schon erwähnt habe, ist der Amerikaner kein Freund von Suppen und legt daher um so weniger Werth auf Knochen, mit welchen wir in Deutschland von unsern Fleischern als Zulage leider nur zu reichlich versehen werden. Aus diesem Grunde wird in Amerika alles Fleisch ohne Knochen und Letztere werden nur auf besonderes Verlangen gegen einen sehr billigen Preis, verabreicht. Hinter den Fleischerscharren befindet sich eine förmliche Wagenburg, auf welcher man die ausgeschälten Knochen sehr unappetitlich den Tag über aufbewahrt, bis sie Abends an Fabrikanten zum Seifekochen etc. ihrer weitern Bestimmung zugeführt werden. Schreibt nun mitunter ein Deutscher aus einer großen Stadt in Amerika, (auf dem Lande ist dieses etwas anders) daß er mehr Fleisch äße, als er in Deutschland zeither gegessen habe, so ist er, bezüglich dieser Delikatesse, wie man aus Vorstehendem ersieht, nicht immer zu beneiden.
Wurst- oder Kesselsuppe kennt der Amerikaner ebenfalls nicht, da er es für Sünde hält, den Schweiß vom Schweine aufzufangen und Blutwurst davon zu machen. Nur von eingewanderten Fleischern wird gegen des Landes Sitte Wurst gemacht.
Ein Schuhmacher zeigte an, daß er mit den Seinigen bei jedem Mahle verschiedene Gerichte verzehre, die ihm äußerst billig zu stehen kämen; er ließ aber weislich die nähere Definition weg, daß nämlich seine Frau aus den Speisehäusern die Ueberbleibsel der Mahlzeiten zusammentrage, welches buntschäckige Gemenge nicht immer das appetitlichste war.
Ein Bäcker berichtete unter andern, über das ihm in Amerika betroffene Mißgeschick, mit folgenden Worten: „Ich miethete mich bei meiner Ankunft in New-York bei einem Schneider ein, mit der Bedingung, in seinem Hause einen Backofen und das sonst Nöthige zum Geschäft aufbauen zu dürfen. Zu meiner Freude sah ich täglich die Kundschaft sich mehren, zahlte pünktlich alle Monate im Voraus, wie der Kontrakt besagte, die Rente, ohne mich weiter um etwas zu bekümmern.
Da ich die Quittungen vorsichtig aufbewahrte, so war ich ruhig ½ Jahr im Besitz des Quartiers, als eines Morgens ein stattlicher Herr nach dem Aufenthalte meines vermeintlichen Hauswirths frug, bei welchem, wie ich vermuthete, ein neuer Anzug bestellt werden sollte, wurde aber statt dessen in Kenntniß gesetzt, da wir die Thür zu dessen Stube verschlossen fanden, daß der Schneider, als Miethsmann vom ganzen Hause, auf ein halbes Jahr die Rente schulde und sich deshalb, wie es schien, auf und davon gemacht habe. Daß für mich, welcher Quittung über richtig geleistete Zahlung von dem, bei welchen ich eingemiethet, in den Händen hatte, Nachtheil daraus entstehen könne, kam mir nicht in den Sinn; um so unerwarteter war daher der Bescheid, daß ich, den man im Hause gefunden, auch für den entlaufenen Miethsmann mit einstehen müsse, und die Bescheinigung vom fälschlichen Hausbesitzer über gezahlte Rente ohne Unterschrift des wahren Hauseigners ungültig sey, und ich mich deshalb besser hätte erkundigen sollen.