Der Bau des Backofens, wie die übrige Einrichtung, hatte mein mitgebrachtes Geld verschlungen, und bei weniger Kundschaft und gezahlter Miethe an den verteufelten Schneider, war nichts weiter, als eine bessere Zukunft übrig geblieben, welcher ich froh entgegenging. Jetzt aber, da ich unvermögend war, die geforderte Summe zu erlegen, und bei der Vorstellung, daß ich als Fremder unmöglich die Gesetze kennen könne, und es auch schicklicher gewesen sey, mich früher aus dem Irrthume zu reißen, mußte ich froh seyn, mit Zurücklassung der Backgeräthschaften meine Freiheit zu erhalten, und als armer Geselle das weitere Fortkommen zu suchen.“
Hier hat der Gesetzgeber, von der Ansicht bestimmt, daß ein Miethsmann den andern besser beaufsichtigen könne, als es dem Besitzer mehrerer Häuser möglich sey, für den Reichen trefflich gesorgt, und den armen Miethsmann, welcher seinen Geschäften nachgehen muß, der Gefahr ausgesetzt, daß der Hausvoigt, im Einverständniß mit dem Hausbesitzer, sich mit dem einkassirten Gelde entfernt, und so die Zurückgebliebenen in den Fall kommen können, doppelt auszahlen zu müssen.
Ein anderer Bäcker berichtete, wie einer seiner amerikanischen Kollegen mit dem Vorgeben, Familien-Verhältnissen halber nach einem andern Staat zu ziehen, seine Kundschaft, wohin er das Brod fahre, ausgeboten, und an ihn für einige hundert Dollars verkauft habe. Nach empfangener Zahlung hätte aber der Schurke seinen Entschluß geändert, ein anderes Haus bezogen, einen Backofen gebaut, und jetzt wie früher das Backgeschäft fortbetrieben und ihn so um das sauer ersparte Gut geprellt. „Herrliche Freiheit!“
Dann beliebte es wieder einem unserer Landsleute, den Seinen brieflich zu erzählen, wie er in Freistunden und des Sonntags auf der Jagd sich erlustire, immer in Freude und Herrlichkeit lebe, und die Kinder der schönsten Zukunft entgegen gingen, obgleich in der Gegend, wo der Erzähler wohnte, nicht ein Schwanz mehr zu schießen war und nur das Nothdürftigste erworben wurde, die Kinder ohne Schule wild heranwuchsen, weshalb sie um die schöne Zukunft wahrlich nicht zu beneiden sind.
Alle Briefe zu besorgen, hielt ich für Pflicht, da ich mich einmal dem Geschäfte unterzogen und sonst keine Verantwortung übernommen hatte, gleich, ob der Inhalt wahr, oder erlogen sey. Nur einer wurde von mir vernichtet, da durch solchen ein armes Weib hintergangen und betrogen war, und es mir besser schien, diesem bedauernswürdigen Geschöpfe keine Kunde vom Mann zukommen zu lassen, als in dem betrogenen Mutterherzen falsche Hoffnungen zu erregen. Der Absender dieses Schreibens, welcher sich in Amerika für ledig ausgab, und wie Alle, die mit ihm zusammenwohnten, auch nicht anders glaubten, feierte einige Tage vor meiner Abreise die Verlobung mit der Wittwe eines erst kürzlich verstorbenen Amerikaners, welcher einen Trinkstoor besessen, weshalb, um dieses Geschäft nicht eingehen zu lassen, die Frau schnell wieder einen Mann zu erhalten suchte. Erst auf dem Meer, nach Lesung des mir übergebenen Briefes, wurde die Maske dieses leichtsinnigen Menschen gelichtet, welcher im Vaterlande Frau und Kinder im Stiche gelassen, und in Amerika ein Weib betrog.
Die abgeschmacktesten Lügen, wie die Angabe von abgeschicktem, aber wie zu befürchten stehe, nicht angekommenen Gelde, um welches er nun gekommen, dann die Unmöglichkeit, da er krank sey, die Familie jetzt nachkommen zu lassen und dieses bis auf bessere Zeiten verschoben werden müsse und dergleichen Geschichtchen mehr, enthielt der Brief.
Durch solche Fälle aufmerksam gemacht, kann es einer Behörde, oder dem Vorstand einer Gemeinde nicht verargt werden, wenn sie dem ohne Frau und Kinder zur Auswanderung entschlossenen Mann Hindernisse in den Weg legen, da selten die gemachten Pläne der Letztern in Amerika sich realisiren, und dadurch selbst mancher brave Familienvater wider Willen von den Seinen getrennt leben muß, und dann ist es leicht möglich, daß die Zurückgelassenen der Verpflegung der betreffenden Gemeinde anheim fallen.
Schon gaben wir uns der Hoffnung hin, daß das Ziel der Reise ohne einen besondern Unglücksfall bald erreicht sey, und waren so an das gewaltsame Anschlagen der Meereswogen, wie an das unsanfte Auf- und Absteigen des Schiffes, gewöhnt worden, daß wir, gleich den Matrosen, wenig Gewicht mehr auf die Ankündigung von Sturm legten, da diese Kunde häufig zu unsern Ohren drang.
Nach der Wärme zu schließen, mußten wir die letzte Zeit der Fahrt weit südlich schiffen, weshalb wir bei ruhiger See den Tag über auf dem Deck zuzubringen suchten, um durch die scharfe Seeluft ermattet, die Nacht besser zu ruhen. So lag ich einst in süßen Träumen des ersten Schlummers, als der ungewöhnliche Lärm der Matrosen, während des Beilegens der Segel und der mit der Leuchte zu uns herabsteigende Zimmermann, welcher Werkzeug holen wollte, die Kunde gab, daß ein Unwetter im Anzuge sey, weshalb der Kapitän, bei der Nähe des Landes, zeitig alle Vorkehrungen treffen wolle.
So willkommen uns die letzte Nachricht zu einer andern Zeit gewesen wäre, so stand jetzt zu befürchten, während der Nacht an die Küste getrieben, noch Schiffbruch zu erleiden; doch dieser Gedanke, so schrecklich er war, wurde bald von dem Geheul und Lärmen der Wellen, dem Pfeifen des Windes durch die Segel, wie von den Jammertönen unserer Leidensgefährtin, verscheucht, welche gleich mir schrecklich von der Seekrankheit geplagt wurde. Jedes von uns suchte sich so gut als möglich während der dunkeln Nacht im Lager festzuklammern, da die Gefahr, herausgeworfen zu werden, mit jeder Viertelstunde zunahm, und die gewaltsam anschlagenden Wassermassen das Fahrzeug in allen seinen Fugen zu zerreißen drohten, welches Geprassel die Ladung des Schiffes noch vermehrte, von welcher die obersten Mehlfässer aus nicht vollen Reihen knarrend sich gegen die Rippen des Schiffes andrückten, und bei jeder veränderten Stellung des Fahrzeugs hin und her rollten, sich aneinander rieben und ein recht widriges Getöse verursachten.