Drei Tage später kamen wir Englands Küste wieder nahe und nachdem ich vernommen, daß der Pilot an Bord und das Schiff sicher auf der Themse Englands Riesenstadt zuführe, schlug das Herz freudig im Busen, denn bald sollte wieder einer meiner Lieblingswünsche in Erfüllung gehen.

Nach einer Fahrt von nur 25 Tagen, wobei das Schiff retour geschlagen und dadurch Zeit verloren ging, langten wir glücklich am 12. Februar in London an, wo uns sogleich die Kunde wurde, daß bei dem letzten Sturm an Englands Küsten mehrere Fahrzeuge gestrandet, und wir froh seyn könnten, nur mit dem Schreck davon gekommen zu seyn, und jene Zahl nicht vermehrt zu haben.


Siebenundvierzigster Brief.

Aufenthalt in London.

Im Februar 1841.

Noch vor Ankunft unsers Packetschiffs, an seiner bestimmten Station, in dem seinem Welthandel angemessenen großen Basin, wohin es aus der Themse durch einen Seitenkanal langsam an Seilen gezogen wurde, verließen die, während der Seereise über mir logirt gewesenen zwei Passagiere das Fahrzeug und verschwanden alsobald unter der gaffenden Menge am Ufer, welches zu der Vermuthung Anlaß gab, da solche vor ihrer Entweichung aus einem unter ihrem Lager versteckt liegenden Packet etwas zu sich steckten, daß solches Kontrebande seyn müsse. Selbst als das Schiff in der Mitte der ringsum auf dem Basinufer erbauten Zoll- und Lagerhäuser wie in einer Festung sich befand und kein Fahrzeug bei Konfiskation außerhalb dieses Terrains und in solchen auch nicht das Geringste von Waaren vor der Revision ausladen darf, kamen die Schwärzer durch die mit Wachthäusern besetzten Ausgänge dieser Anstalt, versahen sich von Neuem mit Waaren und trugen solche am Leibe versteckt dreist durch die wachthabenden Zollbeamten, ohne weiter angehalten, noch weniger visitirt zu werden. — Was soll man dabei denken? Neugierig, was es wohl seyn mochte, um dieses Risiko zu unternehmen, untersuchte ich den Versteck und fand Kautaback, welcher, wie ich später erfuhr, hoch besteuert sey.

Während der Zeit, bis die Matrosen eine Passage zum Transport unserer Sachen aus dem Schiffe besorgten und die Koffer selbst genau visitirt wurden, so daß auch das letzte Stück ausgeräumt werden mußte, hatten die Kontrebandiers, einzeln oder in Gesellschaft Anderer, mehrmals die Eingänge passirt, ohne Verdacht zu erregen und durch geschickte Manövres die Wächter getäuscht und so die weislich außer ihrem Koffer im Schiff verwahrten und bei etwaigem Verrath als ihnen nicht zugehörige Waaren, in Sicherheit gebracht.

Das junge Ehepaar war ebenfalls mit Zurücklassung seiner Sachen sogleich bei unserer Ankunft verschwunden, und so stand ich fremd, ohne Rathgeber und gehörige Kenntniß der Sprache, in der Mitte einer Menge Allerwelts-Freunde, welche ihre Dienste anboten, ein Jeder etwas zu erinnern wußte und sich bemüheten, den deutschen, aus Amerika angekommenen Vogel die Federn mit rupfen zu helfen. Wider Willen schleppte mich einer dieser dienstfertigen Leute nach dem Bureau, wo eine Aufenthaltskarte gelöst werden müsse, ohne welche mich Niemand beherbergen dürfe, mit der Bemerkung, daß während der Zeit die Andern meine Sachen in Aufsicht behalten wollten.