Schon schickten wir uns an, nachdem auch das neben der Siegessäule stehende kolossale Elephanten-Modell[60] mit seinem Thurme auf dem Rücken besehen worden war, nach dem Invalidenhause zu eilen, als der Führer, welcher neben dem Fehler, immer Durst zu haben, auch den Hunger nicht zu beschwichtigen verstand, an die Mittagszeit erinnerte, welche längst vorbei sey.
Beim nächsten Marchand de vin, wo Posto gefaßt ward, fanden wir außer einem reinlichen Zimmer, gebratene Fische und einen Wein, gut genug für Seereisende, welche an weit geringere Kost gewöhnt und aus ökonomischer Rücksicht keine vornehmen Speisehäuser frequentiren konnten.
Jeder Zeit von der Ansicht ausgehend, nur unter Wölfen mit zu heulen, wurde von mir nie Anlaß gegeben, die Gelder durch Leckereien zu vergeuden, dagegen immer unverdrossen jedes Opfer gebracht, wenn es galt, Etwas zu sehen und die Kenntnisse zu bereichern.
Der Weg zum Invalidenhause war weit, und daher an der Zeit nichts zu verlieren, weshalb ein Omnibus bestiegen wurde, welche Wagen die Hauptstadt in allen Richtungen durchfahren und den Passagier für sechs Sous von einem Ende der Stadt bis zum andern spediren.
Das Hôtel des Invalides, welches funfzehn Morgen Land bedeckt, und seine Gebäude funfzehn Höfe einschließen, die durch Corridors verbunden sind, ist groß genug, um 7000 Mann aufnehmen und mit allen Bequemlichkeiten versehen zu können, auf welche Versorgung jeder Krieger Anspruch zu machen hat, der durch Wunden arbeitsunfähig, oder dreißig Jahre untadelhaft gedient hat. Alle die Schönheiten und Meisterwerke der Kirche dieser Anstalt zu besehen, ging für uns verloren, da hinter dem Hochaltare, wo die zweite Abtheilung oder der Dom anfängt, wegen Vorarbeiten zur Aufnahme der Napoleonsleiche, dieselbe zugeschlagen und der Zutritt verwehrt war. Die Decke der ersten Kirche schmücken meist spanische, portugiesische und algierische eroberte Fahnen, da die mehrsten der 3000 Flaggen, welche unter Napoleon die Kirche zierten, vor dem Einzuge der Alliirten am 31. März 1814 verbrannt worden sind, wie der Führer erzählte.
Auf der herrlichen Esplanade vor dem Gebäude standen noch theilweis die, Napoleons Leichenbegängnisse zu Ehren, mit vielen Kosten errichteten Statuen, Krieger alter und neuerer Zeit darstellend, unterbrochen von Ornamenten und Kandelabres, welche man jetzt wieder demolirte, und Plätze wie Straßen von den Ueberbleibseln großartiger Anstalten des Trauerfestes gereinigt wurden.
Die unfern der Invaliden-Wohnungen liegenden Elysäischen Felder werden im Winter von den Parisern weniger besucht, und dienen zur Zeit meist nur zu Revüen, Mannövres und Pferderennen.
Nachdem die Champs Elysées passirt waren, gelangten wir auf den Place de la Concorde, der imposanteste von Paris, welcher mehrmals den Namen, wie seine Ausschmückung, verändert hat. — Vieles Bürgerblut ist hier im Kampfe der streitenden Partheien geflossen, unzählige Opfer sind hier während der Revolution unter der Guillotine gefallen; auch Ludwig XVI. und seine Familie.
Jetzt prangt da, wo früher das Henkerbeil mordete, auf einem Piedestal von schönem französischen Granit der aus Egypten mit großer Mühe hieher geschaffte Obelisk von Luxor, der durch seine Alterthümlichkeit die allgemeine Aufmerksamkeit fesselt. Dieser 72 Fuß hohe Block ist noch vollkommen erhalten, aus einem Stück gearbeitet und ganz mit Hieroglyphen von der feinsten und kräftigsten Arbeit bedeckt. Mit dem Piedestal ist das Ganze 89 Fuß hoch. — Zu beiden Seiten des Obelisks befinden sich große, reich und geschmackvoll verzierte Wasserkünste, wie überhaupt eine Menge stark vergoldeter Kandelabres-Figuren und Marmor-Gruppen, die dem Ganzen ein imposantes Ansehen geben.